Erstes Wochenende in Mumbai

Da ich die vorherigen bisher immer woanders verbracht habe, war dieses Wochenende das erste in Mumbai. Es fing an und für sich ganz gut an, mit einem gemeinsamen Kochen bei Kevin, einem Südafrikaner. Ich kam nur leider zwei Stunden zu spät, war im Mumbaier Feierabendverkehr stecken geblieben.

 

Ich wollte nach der Arbeit nur noch kurz nach einem speziellen Laufschuh gucken, da ich mir ja hier vorgenommen hatte laufen zu gehen. Nur leider kostet dieser Schuh 5000 INR, das sind so 80-90€ und irgendwie bin ich der Meinung, eindeutig zu viel für die Gegend hier. Den muss es doch auch irgendwo günstiger geben. Also hab ich mir nen Kollegen geschnappt und wir sind zu den „Outletcentern“ gefahren. Aber dort gab es den Schuh natürlich nicht.

 

Dafür blieb ich dann im Feierabendverkehr hängen. Nach zwei Stunden rumdösen in meinem Taxi hab ich beschlossen auszusteigen und zu laufen, es hatte sich in der letzten halben Stunde eh kaum was bewegt. Der Grund dafür liegt darin, dass die Inder Meister im Kreuzungen-zustellen sind. Das führt dazu, dass die kreuzende Fahrtrichtung auch nicht mehr weiterkommt, obwohl ihre Fahrbahn eigentlich frei ist.

 

Aber in der Mumbaier Logik könnte ja einer auf die eigene Fahrtrichtung abbiegen und schon allein dieser Fakt rechtfertigt es die Kreuzung zuzustellen. Allgemein haben hier auch die Ampeln eine untergeordnete Bedeutung, sie gelten eh nur von 8 a.m. bis 10 p.m. als maßgeblich, danach kann jeder fahren wie er will. Das machen die meisten aber auch so. Gurte sucht man in den meisten Autos vergebens und auch andere Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben. Insgesamt ist der Verkehr hier nicht so zentral geplant, wie in Europa.

 

Das Ganze erinnert mich eher an einen großen Fischschwarm, wo die Intelligenz der Masse den Weg bestimmt, sehr interessant zu beobachten. Ich bin dann jedenfalls ich ne Weile durch die Blechlawinen gelaufen bis sich dann irgendwann der Verkehr auflößte und ich ne Rikscha nach Hause genommen hab.

 

Am Samstag hab ich mich mit Sandy getroffen, sie macht hier auch nen Praktikum. Da ihr Studium aber irgendwas Richtung Ingenieurswesen ist, arbeitet sie draußen in einer der Fabriken in Thane, das ist vor den Toren Mumbais. Zusammen haben wir Südmumbai erkundet. Sind in den, für einen Samstag, doch relativ vollen Zügen zum Church Gate gefahren und haben von dort aus die Gegend zu Fuß unsicher gemacht.

 

Das erste Foto stammt übrigens von einem der Triebwagen des Localzuges, in dem wir gefahren sind. Offensichtlich war es eine Kühlöffnung für den dahinterliegenden Elektromotor des Zuges. Mich wundert es, dass die elektrischen Bauteile trotz dieser sehr intensiven Verschmutzung noch funktionieren. Die nächsten Fotos stammen aus dem Gleisbett des Zuges, ihr dürft mal raten wie viele Mäuse ihr seht, als Beleg haben wir ein paar fotografiert. Der Gewinner kriegt nen Sari^^

 

Gleich neben dem Bahnhof befindet sich das Headquarter der Western Railway Limited, eines der gut erhaltenen Gebäude Mumbais. Nun, das denkt man zumindest auf den ersten Blick, das nächste Bild, zehn Meter weiter, zeigt, dass der schöne Schein trügt und das Gebäude in einem nicht allzu guten Zustand ist.

 

Auch der Fuhrpark hat schon bessere Tage gesehen, aus dem einen Auto wuchs sogar Grünzeugs. Vielleicht findet sich ja einer, der das Gewächs genauer identifizieren kann.

 

Anschließend sind wir über den Queens Court geschlendert, wo die unterschiedlichen Schichten Kricket gespielt haben. Man konnte sie sehr gut an der Ausstattung und Größe bzw. Vorhandenseins eines Sonnenzeltes unterscheiden.

 

Gleich daneben ist der High Court, eines der höchsten Gerichte Indiens. Wie vor allen mehr oder weniger wichtigen Plätz, Anwesen oder Gebäuden, standen auch vor diesem mit AK 56 bewaffnete Soldaten. Das erste Foto hab ich noch aus dem „Hinterhalt“ geschossen, aber der zweite Posten war so von unserer Hautfarbe angetan, dass er Fotos von uns gemacht hat. Im Gegenzug hat er für uns mit Helm und Weste (eine Baumwollweste, weiß nicht ob die wirklich vor Kugeln schützt) posiert.

 

Dann sind wir durch Mumbai flaniert, bis wir zu einer Kirche kamen. Merkwürdigerweise war sie relativ flach gebaut, so dass man nicht das typische Kirchengefühl aufkam. Am meisten hat mich aber irritiert, das es so warm in ihr war. In ihren europäischen Kollegen ist es ja locker 10 Grad kühler als draußen, aber hier hatte auch die Kirche 30°C. Im weiteren Verlauf haben wir dann noch nen Cafe besucht, wo es Schwarzwalderkirschtorte gab – lustig wie einen die Heimat immer wieder einholt.

 

Nach dem Besuch einer merkwürdigen indischen Kunstgalerie kamen wie endlich zum Gateway of India, dort erhöhte sich auch schlagartig die Weiße-Haut-Dichte. Zudem liefen überall Inder mit Nikon DSLR´s rum und wollten von den ganzen Touris Fotos in pseudolustigen Posen zu machen. Wir haben alle weggeschickt und sind dann weiter Richtung Süden gelaufen.

 

Bei einem weiteren Stop in einem Café bildete sich eine Traube von Kindern an dem Fenster an dem wir saßen. Sie hämmerten alle gegen die Scheibe um etwas Geld zu kriegen. Irgendwann verjagte einer der Angestellten die Kinder. Das erste Mal, dass Bettler für mich verjagt wurden - ein komisches Gefühl.

 

Unsere Tour haben wir in einem Fischerhafen beendet. Weiter südlich kam man nicht, das war alles militärisches Sperrgebiet. Nun muss die Nase ja in Mumbai schon allerhand aushalten, wobei ich glaube schon etwas abgestumpft zu sein. Aber dieser Fischerhafen stank einfach nur bestialisch. Ich hab ne zeitlang nur durch den Mund geatmet, aber auch das hat komisch geschmeckt.

 

Da lagen/flossen überall Fischreste rum und für die Fischer waren wir vermutlich die größte Attraktion des Tages vielleicht auch der Woche. Ich glaub nicht, dass sich besonders viele Weiß-Häute dahin verirren^^ Von da aus haben wir nen Cab zurückgenommen, das sah innen sehr lustig aus, das Schickste das ich bisher in Mumbai gesehen hab.

 

Am Abend war ich dann noch mit Eeva, einer Finnin, ein Trainee einer finnischen Unternehmensberatung, essen und dann haben wir mit Kevin und Allen, einem australischen Lehrer, der an der deutschen Schule unterrichtet, Billiard gespielt.

 

Gestern waren wir in der American School Bombay. Die hat einen riesigen Sportplatz und einen Swimmingpool, das beste jedoch ist, dass sie jeden Sonntag ihre Pforten für alle die wollen öffnet. So ist sie, zwangsläufig durch die Kinder, zum Treffpunkt vieler Expats geworden. Wir haben dort ne Weile Frisbee gespielt, allerdings mit Football-ähnlichen Regeln. Das war ziemlich lustig.

 

Nach dem wir da durchgeschwitzt rumgerannt sind, haben wir die Abkühlung im Pool genossen. Kühl ist jedoch relativ. Der Pool hatte 30°C, war aber mit 25 Metern ordentlich lang, so dass ich endlich wieder ein paar Bahnen schwimmen konnte.

 

Den Tag gekrönt hat ein total leckeres Lunch/Dinner um vier Uhr im Lemongrass. Das Essen war für die Verhältnisse hier relativ teuer: Meine Mahlzeit hat 5€ gekostet. Anschließend hab ich mir noch ein Stück Schokotorte gegönnt. Die Inder haben die merkwürdige Eigenart alle Schokotorten vor dem Servieren in die Mikrowelle zu erwärmen, so dass sie immer halb dahinfließen, wenn man sie ist. Nun ja, auch daran gewöhnt man sich.

 

So viel zum Wochenende, nächste WE geht’s Wildwasserrafting :D

Hehe, das wird ein Spaß.

Liebe Grüße in die weite, weite Welt.

Ric

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