Zweites Wochenende in Mumbai

Guten Abend alle miteinander,

 

nach nun einer Woche Abstinenz melde ich mich wieder zurück. Ein Bediensteter hier hatte vergangenen Montag meinen Internetstick kaputt gemacht. Ein Teil steckte noch im USB-Port, der andere Teil lag daneben.

Leider war das gute Stück nicht mal meins, sondern gehörte meiner deutschen Chefin, die ihn mir gütiger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Schöne Sache...

 

Naja, jedenfalls hat es jetzt ne Woche gedauert, bis er ersetzt wurde, leider auf Kosten meiner Chefin, die den Ersatz aus eigener Tasche beglichen hat, obwohl ich drauf bestanden hatte, das ganze zu bezahlen. So hatte sie jetzt 3000 Rupien (immerhin 50€) Unkosten wegen mir. Nun ich hab es dafür gestern geschafft in dieser Stadt Lindor-Kugeln auf zu treiben und habe mich damit bei ihr bedankt und ein Lächeln auf ihre Lippen gezaubert. Lindt kriegt man hier nämlich so gut wie gar nicht, demzufolge muss man auch ein kleines Vermögen hinlegen, damit man sie sein Eigen nennen kann.

 

Nun aber zu meinem zweiten Wochenende in Mumbai. Zuerst einmal muss ich erwähnen, das ich seit dem ersten Wochenende nicht mehr das einzige deutsche Plappermaul in diesem Hause bin. Am Sonntagabend klopfte ein zwei Meter Lulatsch namens Thomas an meine Tür. Wir kannten uns schon vorher, da er dieselbe Ausbildung/Studium macht wie ich und ich hatte auf dem Schirm, dass er irgendwann hier auch auftaucht, da er aber in einer ganz anderen Abteilung untergebracht ist, war ich nicht so ganz auf dem Laufenden wann er nun genau auftaucht.

 

Jedenfalls fahren wir jetzt immer zusammen mit dem Bus zur Firma und zurück und essen meistens Abendbrot zusammen, wenn nicht einer von uns irgendeinen Teil der Stadt unsicher macht. Wir haben grad zusammen das nächstgelegene Fitnesscenter ausprobiert, um nicht zu sehr vom indischen Essen gezeichnet zu sein, wenn wir dann im Dezember zurückkommen. Es ist doch irgendwie wieder schon deutsch sprechen zu können und sich über seine Erfahrungen auszutauschen. Er ist auch schon auf arranged marriages gestoßen^^

 

Am Wochenende hatte er aber eigene Pläne, wollte erstmal ausschlafen, um den Jetlag vollkommen loszuwerden. Ich bin also am Freitagabend ins Lemongrass, um mich mit Sandy und Franzi zu treffen. Das Lemongrass ist übrigens ein sehr leckeres asiatisches Restaurant in Bandra, kann ich nur empfehlen. Zu meiner Überraschung bin ich da auch auf Luise und eine gewisse Uli getroffen. Luise kannte ich schon vorher, sie hatte sich im Internet mit Uli verabredet um zwei Wochen den Süden unsicher zu machen. Die beiden waren zwei Tage früher zurückgekommen, als der Rest von uns erwartet hatte, aber so hatten wir einen gemütlichen Abend und die beiden haben von ihren Erlebnissen erzählt.

 

Ich hatte ein gewisses Interesse, das  der Abend für meinen Teil nicht zu lang wird, da ich meinen Kollegen versprochen hatte mit ihnen Kricket spielen zu gehen. Dazu musste ich am Samstag um 6.35 aufstehen und hatte mir auch dementsprechend den Wecker gestellt. Den hab ich natürlich überhört und bin hochgeschreckt vom Handy. Siddhart rief an und fragte ob ich wach bin, er wär in fünf Minuten da. Ich bin aufgesprungen, in meine extra am Vortag, während einer Shoppingtour erstanden neuen Sportsachen erstandenen, neuen Sachen geschlüpft, schnell Zähne geputzt und los. Den Rucksack mit dem weiteren Krempel hatte ich schlauerweise schon am Abend vorher gepackt.

Siddhart warte auf mich auf seinem Motorrad, ich bin hinten rauf gesprungen und los gings, auf meinem ersten Trip durch Mumbai City auf nem Bike. Natürlich ohne Helm, wird ja auch vollkommen überbewertet das gute Stück. Hier hat höchstens der Fahrer einen. Aber wenn dann ist der auch nicht festgeschnallt. Naja, andere Länder andere Sitten. Das Kricketspiel war aber kein Spiel im eigentlich Sinne, sondern eine Trainingseinheit bestehend aus Ballwerfen und dann natürlich schlagen. Das Werfen gelang mir nicht so gut.

 

Man muss mit durchgestrecktem Arm entgegen dem Uhrzeigersinn (für Rechtshänder) den Ball beschleunigen, um ihn dann so zwischen 12 und 10 Uhr freizugeben. Er muss bevor er den Schläger oder die Sticks trifft, aber noch mal auf dem Boden aufkommen, sonst gilt der Wurf nicht. Ein Crashkurs über die mir bisher bekannten Kricketregeln gibt’s ein anderes Mal, heut ist die Uhrzeit schon zu sehr fortgeschritten. Jedenfalls hab ich mich beim Schlagen mit dem Bait gar nicht mal so doof angestellt und deutlich besser getroffen und geschlagen als einige meiner Kollegen, vermutlich waren die geworfenen Bälle auch nicht ganz so schwer.

 

Um 9 Uhr ging es dann zurück zum Apartment. Da mir ein langer Tag bevorstand hab ich versucht weiterzuschlafen, allerdings nur mit mittelmäßigen Erfolg, da sich neben meinem Zimmer eine Baustelle befindet und hier auch Samstags ein Werktag ist, außer für die Bürosiemensianer und andere verwöhnte Arbeiter. Die Siemensianer in den Fabriken müssen nämlich teilweise auch das ganze Wochenende durcharbeiten.

 

Um fünf Uhr nachmittags hab ich mich dann wieder auf den Weg gemacht, diesmal zum Pali Naka, einem Markt im Herzen Bandras. Dort traff ich auf Sandy, Franzi und Richard. Richard ist ein Brite in den besten Jahren (also um die 60), ist aber für sein Alter erfrischend jung geblieben sowohl im Geiste als auch bei seinem relativ souveränen Umgang mit sämtlichen modernen Technologien. Für Richard war es das letzte Wochenende in Mumbai, da er diesen Freitag zurück in die Heimat fliegt. Nach zwei Jahren hat er wohl auch ein wenig genug von Mumbai.

 

Jedenfalls haben wir den halben Markt leer gekauft, da wir bei Kevin, einem Südafrikaner, der in der Nähe wohnt, Pizza backen wollten. Dort angekommen haben wir eine alles zerschnippelt und dann unseren Pizzen belegt. Das erste Foto ist aus seinem Wohnzimmer Richtung Meer geschossen. Nach dem Essen, so gegen 10 Uhr bin ich weitergezogen, da ich meinen indischen Nachbarn versprochen hatte bei dem aktuellen Navrati-Festival vorbezuschauen. Diesmal wird eine sechsarmige Frau angebetet. Langsam krieg ich Angst vor dem weiblichen Geschlecht^^

 

Merkwürdiger Weise hab ich das Idol (wie bei Ganesha, eine große, aus Sand gepresste Figur) irgendwie nicht entdeckt. Wie dem auch sei. Es wurde ein lustiger Abend. Ich wurde ziemlich schnell wieder genötigt zu tanzen und nach einer gefüllten Ewigkeit hatte ich auch die Schritte drauf, auch wenn sie nicht die Grazie einiger Mädchen aufwiesen, so konnten sie mit denen der anwesenden Jungs ganz gut mithalten. Später am Abend hat mir Suraj beigebracht, wie man mit den Stöckern tanzt. Das sieht man einigermaßen auf dem ersten Festivalbild, auf dem Nupol mit ihrer Mutter auch mit den Stöckern tanzt. Und ja ich muss mal meine Linse putzen. Thomas ist ja Brillenträger, ich hoffe ich denke mal dran ihn zu fragen, ob ich ihm eins seiner Tücher klauen kann^^

Nupol wurde an diesem Abend übrigens zum am besten gekleideten Mädchen gewählt. Und die das Mädel in grünen Hosen, die auf dem Foto leider nicht so cool rüberkommen, wie sie in Wirklichkeit waren, hat ebenjenen Preis für die erwachene Damenwelt abgesahnt. Lustiger Weise kam um halb zwölf die Polizei um die Musik abzustellen, nach einiger Zeit verzogen sie sich mit Mihir zum nächsten ATM. Bei nächster Gelegenheit werde ich ihn mal fragen, was ihn das gekostet hat und euch mitteilen.

 

Nach dem ich um halb zwei ins Bett bin, bin ich um 3 wieder aufgestanden. Wir wollten am Sonntag raften gehen und hatten das nach einigen Komplikationen auch organisiert gekriegt. Allerdings mussten wir um 8 Uhr morgens an einem 100km entfernten Platz sein, was in Indien bedeutet, das wir um 4 Uhr losfahren mussten, um mit einem ausreichenden Puffer vor Ort anzukommen. Den brauchten wir auch, da wir vor Ort erstmal eine Stunde rumgeirrt sind, bevor wir die Stelle gefunden hatten, an der alles beginnen sollte. Wir mussten allerdings darauf warten, dass ein Damm seine Schleusen öffnete, damit der Bach in der Nähe sich in einen befahrbaren Fluss entwickelte.

 

Nach einer Stunde Wartens wurde uns dann mitgeteilt, dass irgendjemand beschlossen hat, dass der Damm heute nicht seine Schleusen öffnet. Gut das wir schon im Voraus bezahlt hatten. Naja, nachdem wir die halbe Ewigkeit dahingefahren, wollten wir nicht unverrichteter Dinge wieder zurückfahren. Also sind wir in der Nähe Kajak fahren gegangen. Dort konnte man sich auch an einem Drahtseil in die Tiefe, also das Wasser des Flusses schmeißen. Wäre die Bahn doppelt solang und dreimal so steil gewesen hätte es sogar ein kleines Nervenkitzeln erzeugen können. Aber gut dafür hat das Kajak fahren Spaß gemacht.

 

Wir durften nicht Fluss abwärts fahren, da die Verantwortlichen fürchteten uns dann nie wieder zu sehen. Also sind wir flussaufwärts gefahren. Dort waren aber kleinere Stromschnellen, für die man ein bisschen Kraft und deutlich mehr Technik brauchte um dort hinaufzukommen, aber nach einiger Zeit hatte ich dann alle bewältigt und freute mich mit der Milchsäure in den Armen die Stromschnellen flussabwärts zu fahren.

 

So gegen vier haben wir uns dann wieder auf den Heimweg gemacht. Hatten wir für den eigentlichen Weg auf dem Hinweg noch knapp unter drei Stunden gebraucht, so brauchten wir jetzt fünf Stunden. Mumbai demonstriert jeden Sonntag gnadenlos das Scheitern des Individualpersonenverkehr. Wobei, das kann täglich ab 18.30 Uhr auf  sämtlichen Straßen ebenfalls begutachtet werden. Und das Scheitern des öffentlichen Personennahverkehrs gleich mit, den die Züge sind komplett überfüllt, der Druck in den Abteilen soll immens sein. Irgendwann tue ich mir das noch mal an, nur um es mal ausprobiert zu haben.

 

Die Fotos sind inzwischen bei FB online, die Website stellt sich grad etwas an hier...Ich lad sie morgen hoch. Aber jetzt mach ich mich auf ins Bett.

 

Eine gute Nacht in die weite Welt.

 

Liebe Grüße

Ric

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Frederik (Montag, 08 November 2010 01:39)

    Ich fliege Mittwoch nach Indien. Danke für die Informationen! Frederik