Drittes Wochenende in Mumbai

Drittes Wochenende

 

Draußen geht die Welt unter. Ich bin grade mit Thomas einige Stationen früher aus unserem Firmenbus ausgestiegen, da wir noch ein wenig was einkaufen wollten und uns nen Restaurant suchen, um dem eintönigen Essen im Gästehaus zu entgehen. Wir waren grad aus dem Shoppers Stop (So ne Art Galeria Kaufhof) gekommen, da fing es an zu schütten wie aus Eimern.

Eigentlich soll es ja gar nicht mehr regnen, den nach Ganpati fängt die Trockenzeit an. Aber dank des Klimawandels merkt man auch hier unten, was die Industriestaaten dem Rest der Welt schickes eingebracht haben. Seit 2-3 Jahren regnet es nun auch ab und zu in der eigentlichen Trockenzeit.

 

Nach einer Weile hielt zum Glück eine Rikscha, aus der gerade eine Dame ausstieg. Wir sind also schnell rein und ihm gesagt wo wir hin wollten. Nur leider sind die Rikschas an beiden Seiten offen. Zwar gibt es Gummiplanen die man an der Seite herunterlassen kann, nur leider wehen die beim langsamsten Fahrtwind davon und selbst im Stand sind sie nicht besonders zuverlässig...

 

Vielleicht sollte ein Ingenieur sich die Konstruktion noch mal anschauen und überdenken. Zum Glück hatte ich meinen Regenschirm dabei und Thomas meinen zweiten irgendwann mal gegeben (Wer nimmt eigentlich sonst noch 2 Regenschirme nach Indien mit?). So haben wir die Seiten einigermaßen abdeckt und sind nur halbnass zu Hause angekommen. Das Restaurant hatten wir kurzfristig verschoben^^

 

Nun aber zurück zur letzen Woche:

Die Vorbereitungen für das dritte Wochenende begannen schon am Dienstag: Mir wurde schon als ich hier ankam gesagt, dass an diesem Freitag alle traditionelle Kleider tragen würden. In der Ermangelung eines deutschen Kostüms hab ich mich dann auf die Strümpfe gemacht, und bin mit Siddharta zusammen nach Hause gefahren. Hier in Santa Cruz angekommen sind wir in den FabIndia Laden. Dort gibt’s traditionelle indische Kleidung zu kaufen.

 

Nach einigem hin und her hab ich mich für eine weinrote Korta, einen weißen Churidar und einer weißen Stole entschieden. Die Korta ist ein Art langes Hemd, in meinem Fall ein Mix aus Seide und Baumwolle. Der Churidar ist eine Hose, wie ihr auf den letzen Fotos sehen könnt, oben extrem weit geschnitten und an meinen Waden dann doch schon sehr eng sitzend. Über das ganze als eine Art Schal kommt die Stole. Fertig ist der Lack.

 

Am Donnerstag war ich noch spontan auf einem Werksbesuch in Kalwa, 50km vor den Toren (also im Speckgürtel) Mumbais, wo praktischerweise Sandy ihr Praktikum absolviert. . Da ihr bisher noch keiner eine Werksführung organisiert hatte, hab ich sie einfach bei meiner mitgeschleppt. Am Interessantesten war übrigens die Transformatorenproduktion. Die Kisten werden bis zu 300t schwer. Es wundert mich, dass sie überhaupt über indische Straßen transportiert werden können, hätte nicht gedacht, dass die das aushalten.

 

Bei der Mittagspause haben Sandy und ich mutwillig gegen indische Gepflogenheiten verstoßen. Wir waren zu siebt unterwegs und kamen grad vom Rundgang in die Kantine. Auf der linken Seite gab es Glastische an denen vier bis fünf Personen bequem Platz hatten. Auf der rechten Seite gab es durchgehende Stahltische. In anbetracht der Anzahl von Personen sind wir zwei einfach zur rechten Seite gegangen um gemeinsam speisen zu können. Auf dem Weg rief mein Chef noch halblaut: „Don’t go there, it’s fort he workers.“ Ich hab es einfach nicht gehört und da die beiden Bleichhäute da eh schon saßen kamen auch die anderen zu uns. Wieder ein Schritt mehr in eine kastenlose Gesellschaft wohl wissend,  dass die Kasten nur durch Klassen ersetzt werden, wenn gleich es dort zumindest eine gewisse Chancengleichheit gibt. Eine zweistündige Fahrt nach Mumbai beendete wie so oft auch diesen Tag.

 

Als ich dann am Freitag morgen aus dem Bus stieg waren sämtliche Eingänge mit Blumen geschmückt. Ich weiß übrigens nicht was das für ne Sorte ist, vielleicht kann ja einer von euch mit nem grüneren Daumen als ich, das sollte ja nicht besonders schwer sein, das Rätsel lösen.

 

Als ich in unseren Empfangsraum kam wurde ich von einem Riesenbild auf dem Fußboden erschlagen. Es wurde aus unterschiedlichen Pulvern „gezeichnet“. Die kleineren bei uns oben im Raum wurden mit per Hand gemacht, doch mir wurde versichert, dass das Große unter Zuhilfenahme von speziellen Geräten gefertigt wurde. Ich hätte den Indern auch 100% Handarbeit zugetraut. Kostet hier ja nix.

 

In unserer Abteilung hatten wir einen eigenen kleinen Tisch, an dem wir Durga, der Frau mit den acht Armen, huldigen konnten. Zunächst wurde aber das gesamte Büro von einigen Mitarbeitern und Bediensteten geschmückt, selbst jeder Rechner wurde mit einer Blüte geweiht.

 

Irgendwann um die Mittagszeit war es dann soweit und alle versammelten sich um den Tisch und zwei, drei begannen zu singen. Ich weiß allerdings nicht ob es sich um Hindi oder Sanskrit handelte. Nach dem wir so 10 Minuten gesungen und geklatscht hatten ( der Rhythmus ist mir immer noch ein Rätsel), wurden bronzene Teller rumgereicht in denen ein heiliges Feuer brannte. Man hält kurz seine kurz seine beiden Hände über die Flamme und verteilt anschließend den imaginären, heiligen Ruß indem man die Hände an der Stirn aufsetzt und über Haare und Schultern fährt, um schließlich an der Brust zu enden.

 

Anschließend haben wir noch Kokosnüsse auf einen Stein geschlagen. Ziel des ganzen war es die Schale beim ersten Mal zu zerbrechen, damit die „Milch“ entläuft. Die Kokosnuss symbolisiert bei diesem Festival alles Schlechte an einem und muss deshalb zerstört werden. Außer mir haben nur die Vorgesetzten Kokosnüsse zerschlagen und zwei, drei weitere Mitarbeiter. Da ist mir also mal wieder eine besondere Ehre zu teil gekommen.

 

Anschließend ging es zum Mittag, allerdings außerhalb, da das Kantinenessen mal wieder unterdurchschnittlich war. Als ich zurückkam waren erstmal Fototermine angesagt. Mit meinem Team sind wir erst in den Hof, vor den Springbrunnen gegangen um den ein Gebäude weiter, vor einem weiteren Bild zu posieren. In diesem Raum befand sich auch das zentrale Pujab (=die Stelle an der man die Götter verehrt). Danach gab es eine Fotosession mit meinem Teatimeteam und anschließend wollten Vidhi, Immaculate und Deepti noch ein eigens Bild. Keine Ahnung warum.

 

An Arbeiten war im weiteren Verlauf aber auch nicht zu denken, denn nun begann ein Tanzwettbewerb in der leergeräumten Kantine. Der Tanzwettbewerb, den ich schon letztes Wochenende erlebt hatte, wiederholte sich an dieser Stelle. Und nebenbei versuchte mir Neelum die Tanzweise mit den Stöckern beizubringen, die ich leicht anders kennen gelernt hatte. Aber das hängt hier sowieso stark von der Region ab, aus der die jeweiligen kommen. Jede Region hat offensichtlich ihren ganz eigenen Brauch.

Auch Thomas hat sich schließlich unter die Tanzenden gewagt, wenn gleich der Leuchtturm dort in der Mitte der tanzenden Inder etwas deplaziert aussah, weil er mit seiner schieren Größe so herausstach.

 

Am Freitag abend waren wir mit den Mädels noch zum Kino verabredet und da ich nicht die Zeit hatte vorher nach Hause zu gehen, lief ich gleich weiter in Korta rum. Übrigens ein sehr bequemes Gewand. Ohne es genauer zu wissen vermute ich einfach mal das Rocktragen sich ähnlich anfühlen muss, denn es war einfach ungemein luftig.

 

Zum Abendbrot hatten wir übrigens Eis, denn es gibt in der Phoenx Mill einen Laden der die handgemachten Waffeln in Schokolade tunkt und anschließend schockfriert, um sie dann mit Kugeln zu befüllen. Das Eis ist ganz ok, aber die Waffel ist einfach genial. Der einzige Grund warum ich immer hingehe, wenn ich da bin.

 

Da Sandy und Luise um halb zehn in ihren Mädchenhostels eingesperrt werden, konnten die beiden uns nicht begleiten, so dass nur Eeva, Thomas und ich „The American“ sahen. Immerhin mit George Clooney in der Hauptrolle...Das wars aber auch schon, nach den ersten drei Minuten des Filmes kann man getrost wieder gehen, da bringt er sehr schön drei Personen in Dalarna um, spannender wird der Film aber leider nicht mehr und zieht sich ewig hin. Also wenn er bei euch noch nicht draußen ist oder ihr gedenkt reinzugehen...Sucht euch was anderes.

 

Am nächsten morgen mussten wir relativ früh aufstehen, denn wir Thomas und ich waren mit Eeva an der Mahim Junction verabredet. Wir hatten gemeinsam eine Slumtour gebucht um uns den weltgrößten Slum mal genauer anzuschauen. Willkommen in Dharavi. Ich hatte zunächst einige Skrupel ihn zu besichtigen, als ob man mal kurz in den Zoo geht und sich die Tiere anschaut. Aber irgendwie hat dann doch die Neugier gesiegt.

 

Die Slumtour ging zwei Stunden und zeigte interessante Seiten. Innerhalb Mumbais gab es eine eigene kleine Stadt, ziemlich eigenständig und unabhängig. Dharavi hat sich hauptsächlich auf das Recyceln von Müll aus ganz Indien, aber auch China und den USA spezialisiert, da diese Indien als Müllkippe benutzen. Interessanterweise trugen überraschend viele Arbeiter Schutzkleider, wie zum Beispiel die Schweißer diese speziellen Brillen und so weiter. Die trifft man in Indien so gut wie nie an.

 

Das soll aber nicht davon ablenken, dass hier 7-8 köpfige Familen auf 2-3 Quadratmetern zusammen wohnen unter fraglichen hygienischen Umständen. Wenn gleich es zumindest Wasser gibt, wenn auch nicht fließend, denn es gibt pro Tag nur drei Stunden Wasser, aber das reicht, damit die Bewohner ihre Wassertonnen füllen und davon einige zerren können.

 

Auch Strom bietet Dharavi inzwischen und Toiletten, lauter Sachen die es in den illegalen Slums sicherlich nicht gibt und in denen die Situation deutlich schlimmer ist. In Dharavi gibt es auch noch eine große Töpfer und Gerberwirtschaft, in der ordentlich Geld gescheffelt wird. Das kann man daran erkennen, das eine ganze Reihe relativ neuer Motorräder in der Region rumstand, sowie mehrere Autos, unter anderem ein neuer 3er BMW, der hier schon ein Vermögen kostet.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich nicht sonderlich geschockt war von den Bildern, die ich im Slum gesehen hatte, wenn gleich da Leute ihre Gesundheit ruinieren, in dem sie den ganzen Tag giftige Stoffe einatmen. Ich war aber relativ überrascht wie autonom Dharavi innerhalb Mumbais existiert.

 

Am nächsten Tag hatten wir einen Ausflug zum Fort Karnala geplant. Dazu traffen wir uns halb neun am besagten Shoppers Stop und sind mit Taxen durch halb Mumbai gefahren, um dann eine Stunde mit dem Zug vor die Tore Mumbais zu fahren. Nur leider waren wir nicht die einzigen die Zug fahren wollten. Als er dann endlich in den Bahnhof einfuhr, entschieden wir Jungs uns schnell, die Mädels allein zulassen, da sie in den Frauenabteilungen gut und sicher untergebracht waren.

 

Hinter dem Damenabteil war ein schmales Abteil für Behinderte reserviert, es war das einzige in das wir uns aufgrund der kurzen Wartezeit des Zuges zwängen konnten. Zunächst regte sich ein Mitfahrer auf, weil wir offensichtlich nicht den Kriterien für dieses Abteil entsprachen, wir haben uns nur dumm auf Touri gestellt. Schließlich hat ihn dann ein weiterer Mitfahrer darauf hingewiesen, dass wir nicht die einzigen wären, die das Abteil ausnutzen würden und er schwieg.

 

Nach einiger Zeit wurde uns gesagt, dass man jetzt in den anderen Abteilungen bequem sitzen könne, während wir immer noch standen, also haben wir an der nächsten Station das Abteil gewechselt und den Sitzplatz genossen.

 

In Panvel angekommen mussten wir uns noch zwei Rikschas organisieren, um die letzen 10km zum Zielort zurückzulegen. Ein Rikschafahrer hat natürlich wieder verscuht uns „Touris“ zu betrügen. Er wollte 500INR für die Tour, wir meinten, das wir eh nur nach Meter zahlen, damit war er nach einer Weile auch einverstanden. Ich spiele grundsätzlich mit den Rikschafahrern hier ein Spielchen. Ich frage immer nach dem was sie verlangen und lass mir dann die Card zeigen. Dazu muss man sagen, dass die Rikschas und Taxis ein analoges Messgerät aus den 70ern haben, dass sie nicht austauschen. Anstatt dessen gibt es die Card, eine Art Umrechnungstabelle, die die damaligen Rupien in heutige Werte transferiert. Die Kurzstrecken kann ich inzwischen schon auswendig.

 

Vor Ort zahlten wir rund 300 INR für die beiden Rikschas und machten uns auf den Weg das Fort zu ersteigen. Auf dem Weg dahin kamen wir an einem Vogelgehege vorbei, aus dem wir am liebsten alle Tiere freigelassen hätten, weil es sie einfach nur einzwängte.

Auf den anderthalb Stunden Aufstieg zum Fort haben wir dafür viele Tiere in freier Wildbahn gesehen, überwiegend Affen, Kraben und Spinnen, vor letzteren fürchtete sich die Damenwelt besonders. Oben angekommen genossen wir dir Ruhe und die frische Luft, die wir in Mumbai doch etwas vermissen. Auf dem Rückweg in die Stadt haben wir zufällig noch einen Bus erwischt, anstatt eine Rikscha zu nehmen, somit haben wir für uns fünf insgesamt 45 INR gezahlt...langsam werden wir geizig.

 

Soviel für heute, meine Nacht wird schon wieder viel zu kurz.

Fotos vom Klettern folgen noch...

Liebe Grüße

Ric

Nachtrag

 

Zunächst einmal wollte ich noch die Kollektionen der Sarees und die Personen dahinter erläutern, da ich das in dem, wenn auch relativ umfangreichen, Blog vergessen hatte. Den ersten Saree den ihr seht trägt Rajita, irgendwo in den Zwanzigern, und wer hätte es gedacht, natürlich längst verheiratet. Den nächsten hellgrünen trägt Reshma, die wie man später sehen wird, fester Bestandteil meiner Teetrinkclique ist.

 

Der pinke Saree gehört zu Neelum und die rote Korta Raju. Ram, im einer beigen Korta, hatte das meiste dekoriert und war in die Festlichkeiten am stärksten eingebunden. Als nächstes sehen wir Vidhi mit einem halbhohen Tier, deren Name mir leider entgangen ist. Gemeinsam auf dem Bild sind Aparna im blau-pinken Saree, bei dem man erahnen kann, das er halb durchsichtig ist und die meisten Sarees geben auch an der Seite einen Einblick auf den Bauchumfang der Trägerin. Das mag bei manchen Trägerinnen in unserem westlichen Sinne nicht unbedingt als schön gelten, jedoch ist es hier vollkommen normal, der Magerwahn hat Indien zum Glück noch nicht erfasst.

 

Neben Aparna steht Neelumbri, deren Name ich mir nie merken konnte, bis sie mir erklärt hat, das es blauer Himmel heißt, also habe ich jetzt immer blauen Himmel, wenn ich möchte^^

 

Nach mir trägt Siddhartha seine Korta, er schleppt mich immer überall hin und ihn löcher ich dauernd mit Fragen, wenn welche in meinem Kopf rumschwirren.

 

So wenn ich jetzt noch die nächsten Fotos beschreibe, sitze ich noch bis morgen früh hier, darum hab ich versucht, die meiner Meinung nach schönsten Saree einzeln zu fotografieren. Im grünen Treppenhaus gelang mir ein Schnappschuss von Rucha, deren Rot-orang-blau-goldener Saree sich in meinem persönlichen Voting mit Manishas türkis-orang-rosa-goldenem Saree um den ersten Platz schlägt.

 

Ich hab versucht unten mal eine Abstimmungsmaske einzubauen, leider vergeblich, so bleibt mir nix anderes übrig als das über Facebook zumachen. Ihr könnt ja einfach bei eurem Lieblingssaree den Like-Button drücken^. Wobei ich euch jetzt natürlich schon total beeinflusst habe. Manisha seht ihr übrigens nach dem Bild auf dem Thomas tanzend in der Kantine zu sehen ist. 

 

Und an dieser Stelle noch kurz nen Nachtrag zum Thema Slums in Mumbai. In Mumbai wohnen fast die Hälfte der Einwohner (ca.10 Mio.) in Slumgebitebe, so genau weiß das aber auch keiner. Dafür sind die Slums allgegenwärtig in der Stadt. Wenn der Wind hier von Osten kommt, kann ich den Geruch aus Müll, Verwesung und Kot selbst hier in meinem Zimmer im Apartment riechen. Man riecht ihn auch immer , wenn ich morgens zu Arbeit fahre, da die Strecke an mehreren Slums vorbei führt. Die liegen übrigens in jeder Ecke der Stadt.

 

Das ist auch das perverse. Mumbai hat die höchsten Immobilienpreise der Welt, aber es kann gut sein, dass dein Nachbar ein Slumbewohner ist. Unweit des Siemens-Büro schlafen die mehrere 100 Menschen auf einem Straßenabschnitt auf der Straße, das war schon merkwürdig, als Thomas und ich das Abends auf dem Weg zum Hard Rock Cafe lang gelaufen sind.

 

Auch die Bewohner des Slums sind allgegenwärtig. Sie reinigen mein Zimmer, sind die Officeboys im Büro oder die Schuhputzer vor dem Eingang. Es gibt ein relativ einfaches Erkennungsmerkmal, das fast alle Angehörigen gemeinsam haben: Sie sind extrem abgemagert. Ihre Arme haben Durchmesser, die geringer sind, als der den ich aus Daumen und Zeigefinger formen kann. Gegen sie sind die Magermodels nichts, nur das sie es nicht mehr oder weniger freiwillig machen. Deswegen ist der Wohlstandsbauch, der in Deutschland in den 50er und 60ern aktuell war, auch hier noch modern.

 

Bemerkenswert ist die für die hohe relative Armut, die geringe Kriminalität. Ich kann hier 24/7 auf die Straßen gehen, ohne mich jemals annähernd bedroht zu fühlen,  was ich von Berlin jetzt so nicht sagen würde. Aber die Perspektive auf eine bessere Zukunft macht die meistens Bewohner wohl zu Sklaven des Systems und der Aufstieg scheint schnell genug zu sein, sonst würde diese nicht unerhebliche Wählerschicht sicherlich auf die Straße gehen.

Allerdings hab ich schon in einigen Reiseführern gelesen, dass sich Mumbais Unterwelt mit der 20er Chicago Mafia locker messen kann, wenn auch deren Einfluss abgenommen hat.

Der Grund dafür liegt im Targetted Killing – der gezielten Tötung hochrangiger Mafiagrößen, ohne das man ihnen einen fairen Gerichtsprozess gewährt, der in einer Demokratie eigentlich möglich sein sollte. Noch so ein Thema, dass man mal im English-Leistungskurs diskutiert hatte, aber nicht wirklich damit gerechnet hatte, in der Realität damit konfrontiert zu werden. Nun ja Indien ist in einigen Themen etwas rückständig, so ist auch zum Beispiel die Todesstrafe an sich noch nicht abgeschafft, allerdings halten sich die Tötungen momentan in Grenzen.
Ich werde mich nun ins Bett machen, morgen gehe ich in eine Art Zoo und anschließend in einen Vergnügungspark, werde euch die Woche schreiben wie es war.

 

Liebe Grüße

Ric

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Angelika (Sonntag, 24 Oktober 2010 19:56)

    Wie gut dass ich mich doch nicht von der Länge des Textes habe abschrecken lassen. Was für ein schöner und hochinteressanter Bericht, Ric. Ich habe bisher noch keinen anderen Bericht gelesen, aber ab sofort werde ich zu deinen treuen Lesern gezählt. :-)

  • #2

    ela (Dienstag, 26 Oktober 2010 22:44)

    Mir würde von Angelika empfohlen hier mal rein zu schauen. Ich bin beeindruckt!
    Sehr kurzweilig geschrieben so das es einem zum weiterlesen "zwingt" (obwohl man eigentlich müde ist)und für mich als Nicht-Mumbai-Kennerin sehr informativ und interressant. Und auch die ganze Aufmachung dieser Seite finde ich toll.
    Vielen Dank dafür!

  • #3

    Juicers Reviews (Sonntag, 21 April 2013 05:45)

    This is a great post! Thank you for sharing!