So

31

Okt

2010

Die Collage

Die Collage

 

Oder auch eine endlose Geschichte indischer Arbeitskultur. Die Geschichte hat ihren Ursprung in dem Ausflug nach Powai, den ich im ersten Blog beschrieben habe. Dort sind diverse Fotos entstanden (ca.300) und meine deutsche Chefin hat mich gebeten, daraus doch bitte ne Collage zu machen, die man im Büro als Erinnerung aufhängen kann.

 

Hmm, nichts weiter als das. Hab alle Kollegen abgeklappert, ob sie noch Fotos haben und mich dann am nächsten Tag an die Arbeit gemacht. Da die Firmenrechner nicht grade die schnellsten sind, habe ich meinen mit in die Arbeit geschleppt und darauf Picasa installiert, eine Software mit der man digitale Kollagen erstellen kann. Beim Sichten der Fotos ist mir aufgefallen, dass rund 95% der Fotos in relativ schlechter Qualität aufgenommen wurden. Das hat mich gewundert, den der Kollege hat eine ähnliche Kamera benutzt, wie ich sie besitze. Nach kurzer Rücksprache hab ich die Ursache feststellen können. Bei der Kamera funktionierte die äußere Verschlussklappe nicht mehr, so dass Dreck und Schmutz ungehindert auf die Linse gekommen sind, dies hat dann auch zu den schlechten Bildern geführt. Naja, aufgrund der schieren Masse machten seiner Bilder konnte ich sie leider nicht umgehen.

 

Ich hab einen Tag lang die Fotos ausgewählt und damit rumgespielt, und sie in unterschiedlichen Versionen arangiert. Zwei Tage später war ich mit der Collage zufrieden und hatte alles von den Chefs abgesegnet gekriegt. Auch vermeintliche Kleinigkeiten habe ich aus dem Weg geräumt. Den mir wurde beim Rumzeigen erklärt, dass die Ganesha, den Elefantengott, den ihr in der oberen linken Ecke seht, aufrecht stehen muss, ich hatte sie um 60° gekippt, da sie so perfekt oben in die Ecke passte, jetzt neigt sie sich nur noch um 15° und alle sind zufrieden.

 

Es war Freitag früh und ich wollte das ganze jetzt gern zum Drucken geben. Damit sich alle auf der Collage auch wiederfinden, wollte ich sie in A2 haben. Das konnten nun nicht mehr die CC-Leute machen, da ihr Drucker nur bis A3 geht, aber der wär eh kaputt gewesen. Also haben die schnell nen Lieferanten angerufen ihm ne Mail mit der Collage rübergeschickt und meinten, der Probedruck würde so in 15 Minuten kommen. Ich war zum einen überrascht, dass es so schnell gehen sollte, aber Indien war ja als Dienstleistungsland bekannt.

 

Im selben Moment wurde mir klar, dass es nicht ganz so schnell gehen würde, aber scheinbar war es ja kein allzu großes Unterfangen das Ganze zu Drucken und ich freute mich schon bald den Druck in den Händen zu halten. Da ich den Druck zum Mittag immer noch nicht hatte bin ich am Anschluss ans Essen die Treppen zum fünften Stock empor gestiegen und hab mich nach dem Verbleib erkundigt. Der Kollege hat sofort den Lieferanten angerufen, der vorgab, das Bild sei schon auf dem Weg zu mir und in zehn Minuten bei mir sei. Etwas ungläubig habe ich das Büro verlassen und überlegt wie lange es wohl jetzt noch dauern würde, ohne zu wissen, dass ich heute das Bild nicht mehr erhalten wurde. Um vier Uhr bin ich leicht säuerlich wieder in der fünften Stock hochgeklettert, nur um Kollegen anzuschnauzen die eigentlich nichts dafür können. Mir wurde erklärt, das der Lieferant eigentlich ganz zuverlässig ist, aber da er grad wegen Diwali diverse Aufträge hat, etwas überlastet ist.

 

Diwali ist übrigens eine Mischung aus Weihnachten und Neujahr für die meisten Inder. Da es das Festival der Lichter ist, wird jedes Haus durchaus vergleichbar mit unserem Weihnachtsschmuck, geschmückt. Für die Inder beginnt zu diesem Zeitpunkt auch das neue Jahr, was sie ähnlich wie wir mit Feuerwerken begehen, um das Böse zu vertreiben. Diwali ist auch der Grund, warum ich jetzt hier grade in Goa sitze und den Blog schreibe, den die Firma hat ihren Mitarbeitern frei gegeben. Ich habe zusammen mit Thomas und Eeva die Gelegenheit genutzt, um uns an schöne Strände abzusetzen. Nur leider hat es heute, am Tage unserer Ankunft gut geschüttet. Dementsprechend ist der erste Eindruck nicht ganz so rosig, morgen mieten wir uns Scooter und fahren nach Old-Goa und machen die Gegend etwas unsicher. Aber dazu später mehr.

 

Zurück zum Foto: Der Probedruck kam dann endlich am Montag und sah gut aus. Da aber jeder auf dem Foto rumtatschen wird, bestellte ich das nächste Foto laminiert. Der Kollege riet mir davon ab, alle auf einmal zu bestellen, sondern erst mal das erste abzuwarten und abzuwarten. Inzwischen hatte er den Lieferanten gedroht, ihm sämtliche Aufträge für die nächste Zeit zu entziehen, weswegen der inzwischen etwas besser lieferte. So hielt ich schon am nächsten Tag die laminierte Version in den Händen, die sah aber gar nicht gut aus. Sie war etwas schräg verglichen mit dem Foto, das größte Problem aber war, das sich über das ganze A2 Bild Blasen befanden, die die Optik, das einzig entscheidende Kriterium in diesem Fall sehr störten. Also, ab ich den Druck der nächsten beiden Fotos mit Laminierung abgesagt und nur die Bilder genommen. Dann hab ich wenigstens schon mal die Bilder.

 

Der CC-Kollege empfiehl mir einen Rahmen aus Acrylglas um die Bilder herumbauen zulassen, der genau mit den Bildern abschließt und somit perfekt an die Säulen passen würde. Er hatte auch einige in seinem Büro und mir gefiel diese moderne Version des Rahmens. Also hab ich einem weiteren Kollegen, der dafür verantwortlich ist, von meinem Vorhaben erzählt und bin auf Unterschriftenjagd gegangen, um die Genehmigung meiner Chefs einzusammeln, da der Spaß mit rund 80€ für indische Verhältnisse relativ teuer war. Aber das hat sie gar nicht gestört, für eine Erinnerung an diesen Ausflug hätten sie scheinbar auch deutlich mehr gezahlt. Also hab ich die Rahmen bestellt. Sie sollten am Freitag Nachmittag geliefert und montiert werden.

 

Da um 17.45 Uhr mein Bus nach Hause ging und die guten Stücke um 17 Uhr immer noch nicht geliefert waren rief ich über diverse Ecken den Lieferanten an, welcher mir versicherte, dass seine Kollegen schon auf dem Weg sein und bald gleich mir. Irgendwie kam mir das bekannt vor. Aber da wir den Lieferanten gewechselt hatten, ging es diesmal tatsächlich so zügig wie beschrieben. Um 17.25 kamen fünf Angestellte des Lieferanten und brachten sämtliche Utensilien. Warum es fünf waren weiß ich nicht. Zwei oder drei hätten vermutlich auch gereicht, aber Arbeitskraft kostet hier ja nix.

 

Bevor einer der Angestellten anfangen wollte zu bohren, wollten sie aber erst eine Genehmigung dafür. Mein Chef verwies mich an meinen Kontakt bei der SRE, zuständig für das Gebäude, der meinte erst das er es nicht weiß. Dann war er der Meinung, dass das nicht möglich sei, da niemand in die Säulen bohren darf. Auf meinen Einwurf, dass bei ihm in der Säule deutlich einige Schrauben zu sehen waren reagierte er nachdenklich. Irgendwann hatte ich ihn soweit, das er das ganze genehmigte, unter der Bedingung, das der Kollege aus der Creativ Abteilung sein Ok dazu gibt. Der wusste ja schließlich von meinem Unternehmen, hat also zugestimmt, aber ich dann sollte ich noch das Ok seines Chefs, der zu dem Zeitpunkt sich mit dem Siemens CFO in Goa befand, da dort eine neue Fabrik eingeweiht wurde. Der meinte wär kein Problem und ich war schon erleichtert, ich dachte, dass ich heut nix mehr erreichen würde. Ich hab mich kurz gewundert, warum jetzt irgendjemand aus der Creativabteilung ein Ok für mein Bohren in eine Säule geben musste, da es ja wohl eher die in den Zuständigkeitsbereich des Gebäudemanagement fiel, aber egal.

 

Schnell trieb ich die Jungs zum Bohren an, um möglichst schnell Tatsachen zu schaffen, bevor sich es irgendeiner in der endlosen Befehlskette anders überlegte. Die hatten aber nicht mal die Steckdose für die Maschine gefunden, da stand irgendjemand anders, ließ sich das kurz erklären und erklärte dann, dass es nicht möglich sei. Ich fragte provokativ warum das nicht möglich sei, langsam ging mir das ganze Hin und Her und Genehmigungsverfahren tierisch auf die Nerven. Er meinte nur, dass es nicht ging. Darauf hin forderte ich von ihm eine andere Möglichkeit. Er wollte grundsätzlich alles auf Montag verschieben, woraufhin ich meinte, das ich zumindest die Lösung jetzt wolle, da sich der Spaß nun inzwischen schon zwei Wochen hinzieht. Und es nun schon Freitag Abend um sieben Uhr sei und ich keine Lust habe noch weitere zwei Wochen zu warten. Zunächst rührte sich nix und ich hielt kurz Rücksprache mit meinem Chef.

 

Als ich dann wieder aus seinem Büro rauskam, wurde mir meine Lösung präsentiert. Die Bilder würden auf einen festen Karton gedruckt und laminiert. Und das alles schon am Montag, ich war überrascht. Das war doch etwas, was ich einigermaßen akzeptieren konnte, dafür dass ich meinen Freitag für das Bild opferte. Ich beschloss, dass ich eh nix mehr erreichen würde und gab mich damit zufrieden. Außer mir waren nur noch um die 10 Kollegen im Büro, die mit mir zusammen gingen. Zwei Kollegen würden bald Mumbai verlassen, der eine nach Dubai, die andere nach Delhi und es sollte ihr Abschlussessen sein. Ich lud mich noch kurz selbst ein und hatte dann noch einen einigermaßen gelungenen und fröhlichen Abend.

 

Am Montag Nachmittag um 17.00 Uhr war der Lieferant wieder da, mit den Pappcollagen. Und 30 Minuten später hingen die drei Stück an Ort und Stelle. Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind. Und überraschender Weise kann auch alles ganz schnell hier gehen, wenn man nur die richtigen Leute bequatscht und irgendwie Druck ausübt. Der große Unbekannte stellte sich heraus als der Chef des Gebäudemanagement in ganz Indien. Hupps, naja Ziel erreicht, Kollateralschäden sind manchmal unvermeidbar.

 

In den nächsten Tagen werd ich mal versuchen die Erlebnisse der letzten Wochen in Text zu gießen und euch mitzuteilen, bevor ich am Freitag nach Amritsar fahre.

 

Liebe Grüße

Ric

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Mo

18

Okt

2010

Drittes Wochenende in Mumbai

Drittes Wochenende

 

Draußen geht die Welt unter. Ich bin grade mit Thomas einige Stationen früher aus unserem Firmenbus ausgestiegen, da wir noch ein wenig was einkaufen wollten und uns nen Restaurant suchen, um dem eintönigen Essen im Gästehaus zu entgehen. Wir waren grad aus dem Shoppers Stop (So ne Art Galeria Kaufhof) gekommen, da fing es an zu schütten wie aus Eimern.

Eigentlich soll es ja gar nicht mehr regnen, den nach Ganpati fängt die Trockenzeit an. Aber dank des Klimawandels merkt man auch hier unten, was die Industriestaaten dem Rest der Welt schickes eingebracht haben. Seit 2-3 Jahren regnet es nun auch ab und zu in der eigentlichen Trockenzeit.

 

Nach einer Weile hielt zum Glück eine Rikscha, aus der gerade eine Dame ausstieg. Wir sind also schnell rein und ihm gesagt wo wir hin wollten. Nur leider sind die Rikschas an beiden Seiten offen. Zwar gibt es Gummiplanen die man an der Seite herunterlassen kann, nur leider wehen die beim langsamsten Fahrtwind davon und selbst im Stand sind sie nicht besonders zuverlässig...

 

Vielleicht sollte ein Ingenieur sich die Konstruktion noch mal anschauen und überdenken. Zum Glück hatte ich meinen Regenschirm dabei und Thomas meinen zweiten irgendwann mal gegeben (Wer nimmt eigentlich sonst noch 2 Regenschirme nach Indien mit?). So haben wir die Seiten einigermaßen abdeckt und sind nur halbnass zu Hause angekommen. Das Restaurant hatten wir kurzfristig verschoben^^

 

Nun aber zurück zur letzen Woche:

Die Vorbereitungen für das dritte Wochenende begannen schon am Dienstag: Mir wurde schon als ich hier ankam gesagt, dass an diesem Freitag alle traditionelle Kleider tragen würden. In der Ermangelung eines deutschen Kostüms hab ich mich dann auf die Strümpfe gemacht, und bin mit Siddharta zusammen nach Hause gefahren. Hier in Santa Cruz angekommen sind wir in den FabIndia Laden. Dort gibt’s traditionelle indische Kleidung zu kaufen.

 

Nach einigem hin und her hab ich mich für eine weinrote Korta, einen weißen Churidar und einer weißen Stole entschieden. Die Korta ist ein Art langes Hemd, in meinem Fall ein Mix aus Seide und Baumwolle. Der Churidar ist eine Hose, wie ihr auf den letzen Fotos sehen könnt, oben extrem weit geschnitten und an meinen Waden dann doch schon sehr eng sitzend. Über das ganze als eine Art Schal kommt die Stole. Fertig ist der Lack.

 

Am Donnerstag war ich noch spontan auf einem Werksbesuch in Kalwa, 50km vor den Toren (also im Speckgürtel) Mumbais, wo praktischerweise Sandy ihr Praktikum absolviert. . Da ihr bisher noch keiner eine Werksführung organisiert hatte, hab ich sie einfach bei meiner mitgeschleppt. Am Interessantesten war übrigens die Transformatorenproduktion. Die Kisten werden bis zu 300t schwer. Es wundert mich, dass sie überhaupt über indische Straßen transportiert werden können, hätte nicht gedacht, dass die das aushalten.

 

Bei der Mittagspause haben Sandy und ich mutwillig gegen indische Gepflogenheiten verstoßen. Wir waren zu siebt unterwegs und kamen grad vom Rundgang in die Kantine. Auf der linken Seite gab es Glastische an denen vier bis fünf Personen bequem Platz hatten. Auf der rechten Seite gab es durchgehende Stahltische. In anbetracht der Anzahl von Personen sind wir zwei einfach zur rechten Seite gegangen um gemeinsam speisen zu können. Auf dem Weg rief mein Chef noch halblaut: „Don’t go there, it’s fort he workers.“ Ich hab es einfach nicht gehört und da die beiden Bleichhäute da eh schon saßen kamen auch die anderen zu uns. Wieder ein Schritt mehr in eine kastenlose Gesellschaft wohl wissend,  dass die Kasten nur durch Klassen ersetzt werden, wenn gleich es dort zumindest eine gewisse Chancengleichheit gibt. Eine zweistündige Fahrt nach Mumbai beendete wie so oft auch diesen Tag.

 

Als ich dann am Freitag morgen aus dem Bus stieg waren sämtliche Eingänge mit Blumen geschmückt. Ich weiß übrigens nicht was das für ne Sorte ist, vielleicht kann ja einer von euch mit nem grüneren Daumen als ich, das sollte ja nicht besonders schwer sein, das Rätsel lösen.

 

Als ich in unseren Empfangsraum kam wurde ich von einem Riesenbild auf dem Fußboden erschlagen. Es wurde aus unterschiedlichen Pulvern „gezeichnet“. Die kleineren bei uns oben im Raum wurden mit per Hand gemacht, doch mir wurde versichert, dass das Große unter Zuhilfenahme von speziellen Geräten gefertigt wurde. Ich hätte den Indern auch 100% Handarbeit zugetraut. Kostet hier ja nix.

 

In unserer Abteilung hatten wir einen eigenen kleinen Tisch, an dem wir Durga, der Frau mit den acht Armen, huldigen konnten. Zunächst wurde aber das gesamte Büro von einigen Mitarbeitern und Bediensteten geschmückt, selbst jeder Rechner wurde mit einer Blüte geweiht.

 

Irgendwann um die Mittagszeit war es dann soweit und alle versammelten sich um den Tisch und zwei, drei begannen zu singen. Ich weiß allerdings nicht ob es sich um Hindi oder Sanskrit handelte. Nach dem wir so 10 Minuten gesungen und geklatscht hatten ( der Rhythmus ist mir immer noch ein Rätsel), wurden bronzene Teller rumgereicht in denen ein heiliges Feuer brannte. Man hält kurz seine kurz seine beiden Hände über die Flamme und verteilt anschließend den imaginären, heiligen Ruß indem man die Hände an der Stirn aufsetzt und über Haare und Schultern fährt, um schließlich an der Brust zu enden.

 

Anschließend haben wir noch Kokosnüsse auf einen Stein geschlagen. Ziel des ganzen war es die Schale beim ersten Mal zu zerbrechen, damit die „Milch“ entläuft. Die Kokosnuss symbolisiert bei diesem Festival alles Schlechte an einem und muss deshalb zerstört werden. Außer mir haben nur die Vorgesetzten Kokosnüsse zerschlagen und zwei, drei weitere Mitarbeiter. Da ist mir also mal wieder eine besondere Ehre zu teil gekommen.

 

Anschließend ging es zum Mittag, allerdings außerhalb, da das Kantinenessen mal wieder unterdurchschnittlich war. Als ich zurückkam waren erstmal Fototermine angesagt. Mit meinem Team sind wir erst in den Hof, vor den Springbrunnen gegangen um den ein Gebäude weiter, vor einem weiteren Bild zu posieren. In diesem Raum befand sich auch das zentrale Pujab (=die Stelle an der man die Götter verehrt). Danach gab es eine Fotosession mit meinem Teatimeteam und anschließend wollten Vidhi, Immaculate und Deepti noch ein eigens Bild. Keine Ahnung warum.

 

An Arbeiten war im weiteren Verlauf aber auch nicht zu denken, denn nun begann ein Tanzwettbewerb in der leergeräumten Kantine. Der Tanzwettbewerb, den ich schon letztes Wochenende erlebt hatte, wiederholte sich an dieser Stelle. Und nebenbei versuchte mir Neelum die Tanzweise mit den Stöckern beizubringen, die ich leicht anders kennen gelernt hatte. Aber das hängt hier sowieso stark von der Region ab, aus der die jeweiligen kommen. Jede Region hat offensichtlich ihren ganz eigenen Brauch.

Auch Thomas hat sich schließlich unter die Tanzenden gewagt, wenn gleich der Leuchtturm dort in der Mitte der tanzenden Inder etwas deplaziert aussah, weil er mit seiner schieren Größe so herausstach.

 

Am Freitag abend waren wir mit den Mädels noch zum Kino verabredet und da ich nicht die Zeit hatte vorher nach Hause zu gehen, lief ich gleich weiter in Korta rum. Übrigens ein sehr bequemes Gewand. Ohne es genauer zu wissen vermute ich einfach mal das Rocktragen sich ähnlich anfühlen muss, denn es war einfach ungemein luftig.

 

Zum Abendbrot hatten wir übrigens Eis, denn es gibt in der Phoenx Mill einen Laden der die handgemachten Waffeln in Schokolade tunkt und anschließend schockfriert, um sie dann mit Kugeln zu befüllen. Das Eis ist ganz ok, aber die Waffel ist einfach genial. Der einzige Grund warum ich immer hingehe, wenn ich da bin.

 

Da Sandy und Luise um halb zehn in ihren Mädchenhostels eingesperrt werden, konnten die beiden uns nicht begleiten, so dass nur Eeva, Thomas und ich „The American“ sahen. Immerhin mit George Clooney in der Hauptrolle...Das wars aber auch schon, nach den ersten drei Minuten des Filmes kann man getrost wieder gehen, da bringt er sehr schön drei Personen in Dalarna um, spannender wird der Film aber leider nicht mehr und zieht sich ewig hin. Also wenn er bei euch noch nicht draußen ist oder ihr gedenkt reinzugehen...Sucht euch was anderes.

 

Am nächsten morgen mussten wir relativ früh aufstehen, denn wir Thomas und ich waren mit Eeva an der Mahim Junction verabredet. Wir hatten gemeinsam eine Slumtour gebucht um uns den weltgrößten Slum mal genauer anzuschauen. Willkommen in Dharavi. Ich hatte zunächst einige Skrupel ihn zu besichtigen, als ob man mal kurz in den Zoo geht und sich die Tiere anschaut. Aber irgendwie hat dann doch die Neugier gesiegt.

 

Die Slumtour ging zwei Stunden und zeigte interessante Seiten. Innerhalb Mumbais gab es eine eigene kleine Stadt, ziemlich eigenständig und unabhängig. Dharavi hat sich hauptsächlich auf das Recyceln von Müll aus ganz Indien, aber auch China und den USA spezialisiert, da diese Indien als Müllkippe benutzen. Interessanterweise trugen überraschend viele Arbeiter Schutzkleider, wie zum Beispiel die Schweißer diese speziellen Brillen und so weiter. Die trifft man in Indien so gut wie nie an.

 

Das soll aber nicht davon ablenken, dass hier 7-8 köpfige Familen auf 2-3 Quadratmetern zusammen wohnen unter fraglichen hygienischen Umständen. Wenn gleich es zumindest Wasser gibt, wenn auch nicht fließend, denn es gibt pro Tag nur drei Stunden Wasser, aber das reicht, damit die Bewohner ihre Wassertonnen füllen und davon einige zerren können.

 

Auch Strom bietet Dharavi inzwischen und Toiletten, lauter Sachen die es in den illegalen Slums sicherlich nicht gibt und in denen die Situation deutlich schlimmer ist. In Dharavi gibt es auch noch eine große Töpfer und Gerberwirtschaft, in der ordentlich Geld gescheffelt wird. Das kann man daran erkennen, das eine ganze Reihe relativ neuer Motorräder in der Region rumstand, sowie mehrere Autos, unter anderem ein neuer 3er BMW, der hier schon ein Vermögen kostet.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich nicht sonderlich geschockt war von den Bildern, die ich im Slum gesehen hatte, wenn gleich da Leute ihre Gesundheit ruinieren, in dem sie den ganzen Tag giftige Stoffe einatmen. Ich war aber relativ überrascht wie autonom Dharavi innerhalb Mumbais existiert.

 

Am nächsten Tag hatten wir einen Ausflug zum Fort Karnala geplant. Dazu traffen wir uns halb neun am besagten Shoppers Stop und sind mit Taxen durch halb Mumbai gefahren, um dann eine Stunde mit dem Zug vor die Tore Mumbais zu fahren. Nur leider waren wir nicht die einzigen die Zug fahren wollten. Als er dann endlich in den Bahnhof einfuhr, entschieden wir Jungs uns schnell, die Mädels allein zulassen, da sie in den Frauenabteilungen gut und sicher untergebracht waren.

 

Hinter dem Damenabteil war ein schmales Abteil für Behinderte reserviert, es war das einzige in das wir uns aufgrund der kurzen Wartezeit des Zuges zwängen konnten. Zunächst regte sich ein Mitfahrer auf, weil wir offensichtlich nicht den Kriterien für dieses Abteil entsprachen, wir haben uns nur dumm auf Touri gestellt. Schließlich hat ihn dann ein weiterer Mitfahrer darauf hingewiesen, dass wir nicht die einzigen wären, die das Abteil ausnutzen würden und er schwieg.

 

Nach einiger Zeit wurde uns gesagt, dass man jetzt in den anderen Abteilungen bequem sitzen könne, während wir immer noch standen, also haben wir an der nächsten Station das Abteil gewechselt und den Sitzplatz genossen.

 

In Panvel angekommen mussten wir uns noch zwei Rikschas organisieren, um die letzen 10km zum Zielort zurückzulegen. Ein Rikschafahrer hat natürlich wieder verscuht uns „Touris“ zu betrügen. Er wollte 500INR für die Tour, wir meinten, das wir eh nur nach Meter zahlen, damit war er nach einer Weile auch einverstanden. Ich spiele grundsätzlich mit den Rikschafahrern hier ein Spielchen. Ich frage immer nach dem was sie verlangen und lass mir dann die Card zeigen. Dazu muss man sagen, dass die Rikschas und Taxis ein analoges Messgerät aus den 70ern haben, dass sie nicht austauschen. Anstatt dessen gibt es die Card, eine Art Umrechnungstabelle, die die damaligen Rupien in heutige Werte transferiert. Die Kurzstrecken kann ich inzwischen schon auswendig.

 

Vor Ort zahlten wir rund 300 INR für die beiden Rikschas und machten uns auf den Weg das Fort zu ersteigen. Auf dem Weg dahin kamen wir an einem Vogelgehege vorbei, aus dem wir am liebsten alle Tiere freigelassen hätten, weil es sie einfach nur einzwängte.

Auf den anderthalb Stunden Aufstieg zum Fort haben wir dafür viele Tiere in freier Wildbahn gesehen, überwiegend Affen, Kraben und Spinnen, vor letzteren fürchtete sich die Damenwelt besonders. Oben angekommen genossen wir dir Ruhe und die frische Luft, die wir in Mumbai doch etwas vermissen. Auf dem Rückweg in die Stadt haben wir zufällig noch einen Bus erwischt, anstatt eine Rikscha zu nehmen, somit haben wir für uns fünf insgesamt 45 INR gezahlt...langsam werden wir geizig.

 

Soviel für heute, meine Nacht wird schon wieder viel zu kurz.

Fotos vom Klettern folgen noch...

Liebe Grüße

Ric

Nachtrag

 

Zunächst einmal wollte ich noch die Kollektionen der Sarees und die Personen dahinter erläutern, da ich das in dem, wenn auch relativ umfangreichen, Blog vergessen hatte. Den ersten Saree den ihr seht trägt Rajita, irgendwo in den Zwanzigern, und wer hätte es gedacht, natürlich längst verheiratet. Den nächsten hellgrünen trägt Reshma, die wie man später sehen wird, fester Bestandteil meiner Teetrinkclique ist.

 

Der pinke Saree gehört zu Neelum und die rote Korta Raju. Ram, im einer beigen Korta, hatte das meiste dekoriert und war in die Festlichkeiten am stärksten eingebunden. Als nächstes sehen wir Vidhi mit einem halbhohen Tier, deren Name mir leider entgangen ist. Gemeinsam auf dem Bild sind Aparna im blau-pinken Saree, bei dem man erahnen kann, das er halb durchsichtig ist und die meisten Sarees geben auch an der Seite einen Einblick auf den Bauchumfang der Trägerin. Das mag bei manchen Trägerinnen in unserem westlichen Sinne nicht unbedingt als schön gelten, jedoch ist es hier vollkommen normal, der Magerwahn hat Indien zum Glück noch nicht erfasst.

 

Neben Aparna steht Neelumbri, deren Name ich mir nie merken konnte, bis sie mir erklärt hat, das es blauer Himmel heißt, also habe ich jetzt immer blauen Himmel, wenn ich möchte^^

 

Nach mir trägt Siddhartha seine Korta, er schleppt mich immer überall hin und ihn löcher ich dauernd mit Fragen, wenn welche in meinem Kopf rumschwirren.

 

So wenn ich jetzt noch die nächsten Fotos beschreibe, sitze ich noch bis morgen früh hier, darum hab ich versucht, die meiner Meinung nach schönsten Saree einzeln zu fotografieren. Im grünen Treppenhaus gelang mir ein Schnappschuss von Rucha, deren Rot-orang-blau-goldener Saree sich in meinem persönlichen Voting mit Manishas türkis-orang-rosa-goldenem Saree um den ersten Platz schlägt.

 

Ich hab versucht unten mal eine Abstimmungsmaske einzubauen, leider vergeblich, so bleibt mir nix anderes übrig als das über Facebook zumachen. Ihr könnt ja einfach bei eurem Lieblingssaree den Like-Button drücken^. Wobei ich euch jetzt natürlich schon total beeinflusst habe. Manisha seht ihr übrigens nach dem Bild auf dem Thomas tanzend in der Kantine zu sehen ist. 

 

Und an dieser Stelle noch kurz nen Nachtrag zum Thema Slums in Mumbai. In Mumbai wohnen fast die Hälfte der Einwohner (ca.10 Mio.) in Slumgebitebe, so genau weiß das aber auch keiner. Dafür sind die Slums allgegenwärtig in der Stadt. Wenn der Wind hier von Osten kommt, kann ich den Geruch aus Müll, Verwesung und Kot selbst hier in meinem Zimmer im Apartment riechen. Man riecht ihn auch immer , wenn ich morgens zu Arbeit fahre, da die Strecke an mehreren Slums vorbei führt. Die liegen übrigens in jeder Ecke der Stadt.

 

Das ist auch das perverse. Mumbai hat die höchsten Immobilienpreise der Welt, aber es kann gut sein, dass dein Nachbar ein Slumbewohner ist. Unweit des Siemens-Büro schlafen die mehrere 100 Menschen auf einem Straßenabschnitt auf der Straße, das war schon merkwürdig, als Thomas und ich das Abends auf dem Weg zum Hard Rock Cafe lang gelaufen sind.

 

Auch die Bewohner des Slums sind allgegenwärtig. Sie reinigen mein Zimmer, sind die Officeboys im Büro oder die Schuhputzer vor dem Eingang. Es gibt ein relativ einfaches Erkennungsmerkmal, das fast alle Angehörigen gemeinsam haben: Sie sind extrem abgemagert. Ihre Arme haben Durchmesser, die geringer sind, als der den ich aus Daumen und Zeigefinger formen kann. Gegen sie sind die Magermodels nichts, nur das sie es nicht mehr oder weniger freiwillig machen. Deswegen ist der Wohlstandsbauch, der in Deutschland in den 50er und 60ern aktuell war, auch hier noch modern.

 

Bemerkenswert ist die für die hohe relative Armut, die geringe Kriminalität. Ich kann hier 24/7 auf die Straßen gehen, ohne mich jemals annähernd bedroht zu fühlen,  was ich von Berlin jetzt so nicht sagen würde. Aber die Perspektive auf eine bessere Zukunft macht die meistens Bewohner wohl zu Sklaven des Systems und der Aufstieg scheint schnell genug zu sein, sonst würde diese nicht unerhebliche Wählerschicht sicherlich auf die Straße gehen.

Allerdings hab ich schon in einigen Reiseführern gelesen, dass sich Mumbais Unterwelt mit der 20er Chicago Mafia locker messen kann, wenn auch deren Einfluss abgenommen hat.

Der Grund dafür liegt im Targetted Killing – der gezielten Tötung hochrangiger Mafiagrößen, ohne das man ihnen einen fairen Gerichtsprozess gewährt, der in einer Demokratie eigentlich möglich sein sollte. Noch so ein Thema, dass man mal im English-Leistungskurs diskutiert hatte, aber nicht wirklich damit gerechnet hatte, in der Realität damit konfrontiert zu werden. Nun ja Indien ist in einigen Themen etwas rückständig, so ist auch zum Beispiel die Todesstrafe an sich noch nicht abgeschafft, allerdings halten sich die Tötungen momentan in Grenzen.
Ich werde mich nun ins Bett machen, morgen gehe ich in eine Art Zoo und anschließend in einen Vergnügungspark, werde euch die Woche schreiben wie es war.

 

Liebe Grüße

Ric

 

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Di

12

Okt

2010

Zweites Wochenende in Mumbai

Guten Abend alle miteinander,

 

nach nun einer Woche Abstinenz melde ich mich wieder zurück. Ein Bediensteter hier hatte vergangenen Montag meinen Internetstick kaputt gemacht. Ein Teil steckte noch im USB-Port, der andere Teil lag daneben.

Leider war das gute Stück nicht mal meins, sondern gehörte meiner deutschen Chefin, die ihn mir gütiger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Schöne Sache...

 

Naja, jedenfalls hat es jetzt ne Woche gedauert, bis er ersetzt wurde, leider auf Kosten meiner Chefin, die den Ersatz aus eigener Tasche beglichen hat, obwohl ich drauf bestanden hatte, das ganze zu bezahlen. So hatte sie jetzt 3000 Rupien (immerhin 50€) Unkosten wegen mir. Nun ich hab es dafür gestern geschafft in dieser Stadt Lindor-Kugeln auf zu treiben und habe mich damit bei ihr bedankt und ein Lächeln auf ihre Lippen gezaubert. Lindt kriegt man hier nämlich so gut wie gar nicht, demzufolge muss man auch ein kleines Vermögen hinlegen, damit man sie sein Eigen nennen kann.

 

Nun aber zu meinem zweiten Wochenende in Mumbai. Zuerst einmal muss ich erwähnen, das ich seit dem ersten Wochenende nicht mehr das einzige deutsche Plappermaul in diesem Hause bin. Am Sonntagabend klopfte ein zwei Meter Lulatsch namens Thomas an meine Tür. Wir kannten uns schon vorher, da er dieselbe Ausbildung/Studium macht wie ich und ich hatte auf dem Schirm, dass er irgendwann hier auch auftaucht, da er aber in einer ganz anderen Abteilung untergebracht ist, war ich nicht so ganz auf dem Laufenden wann er nun genau auftaucht.

 

Jedenfalls fahren wir jetzt immer zusammen mit dem Bus zur Firma und zurück und essen meistens Abendbrot zusammen, wenn nicht einer von uns irgendeinen Teil der Stadt unsicher macht. Wir haben grad zusammen das nächstgelegene Fitnesscenter ausprobiert, um nicht zu sehr vom indischen Essen gezeichnet zu sein, wenn wir dann im Dezember zurückkommen. Es ist doch irgendwie wieder schon deutsch sprechen zu können und sich über seine Erfahrungen auszutauschen. Er ist auch schon auf arranged marriages gestoßen^^

 

Am Wochenende hatte er aber eigene Pläne, wollte erstmal ausschlafen, um den Jetlag vollkommen loszuwerden. Ich bin also am Freitagabend ins Lemongrass, um mich mit Sandy und Franzi zu treffen. Das Lemongrass ist übrigens ein sehr leckeres asiatisches Restaurant in Bandra, kann ich nur empfehlen. Zu meiner Überraschung bin ich da auch auf Luise und eine gewisse Uli getroffen. Luise kannte ich schon vorher, sie hatte sich im Internet mit Uli verabredet um zwei Wochen den Süden unsicher zu machen. Die beiden waren zwei Tage früher zurückgekommen, als der Rest von uns erwartet hatte, aber so hatten wir einen gemütlichen Abend und die beiden haben von ihren Erlebnissen erzählt.

 

Ich hatte ein gewisses Interesse, das  der Abend für meinen Teil nicht zu lang wird, da ich meinen Kollegen versprochen hatte mit ihnen Kricket spielen zu gehen. Dazu musste ich am Samstag um 6.35 aufstehen und hatte mir auch dementsprechend den Wecker gestellt. Den hab ich natürlich überhört und bin hochgeschreckt vom Handy. Siddhart rief an und fragte ob ich wach bin, er wär in fünf Minuten da. Ich bin aufgesprungen, in meine extra am Vortag, während einer Shoppingtour erstanden neuen Sportsachen erstandenen, neuen Sachen geschlüpft, schnell Zähne geputzt und los. Den Rucksack mit dem weiteren Krempel hatte ich schlauerweise schon am Abend vorher gepackt.

Siddhart warte auf mich auf seinem Motorrad, ich bin hinten rauf gesprungen und los gings, auf meinem ersten Trip durch Mumbai City auf nem Bike. Natürlich ohne Helm, wird ja auch vollkommen überbewertet das gute Stück. Hier hat höchstens der Fahrer einen. Aber wenn dann ist der auch nicht festgeschnallt. Naja, andere Länder andere Sitten. Das Kricketspiel war aber kein Spiel im eigentlich Sinne, sondern eine Trainingseinheit bestehend aus Ballwerfen und dann natürlich schlagen. Das Werfen gelang mir nicht so gut.

 

Man muss mit durchgestrecktem Arm entgegen dem Uhrzeigersinn (für Rechtshänder) den Ball beschleunigen, um ihn dann so zwischen 12 und 10 Uhr freizugeben. Er muss bevor er den Schläger oder die Sticks trifft, aber noch mal auf dem Boden aufkommen, sonst gilt der Wurf nicht. Ein Crashkurs über die mir bisher bekannten Kricketregeln gibt’s ein anderes Mal, heut ist die Uhrzeit schon zu sehr fortgeschritten. Jedenfalls hab ich mich beim Schlagen mit dem Bait gar nicht mal so doof angestellt und deutlich besser getroffen und geschlagen als einige meiner Kollegen, vermutlich waren die geworfenen Bälle auch nicht ganz so schwer.

 

Um 9 Uhr ging es dann zurück zum Apartment. Da mir ein langer Tag bevorstand hab ich versucht weiterzuschlafen, allerdings nur mit mittelmäßigen Erfolg, da sich neben meinem Zimmer eine Baustelle befindet und hier auch Samstags ein Werktag ist, außer für die Bürosiemensianer und andere verwöhnte Arbeiter. Die Siemensianer in den Fabriken müssen nämlich teilweise auch das ganze Wochenende durcharbeiten.

 

Um fünf Uhr nachmittags hab ich mich dann wieder auf den Weg gemacht, diesmal zum Pali Naka, einem Markt im Herzen Bandras. Dort traff ich auf Sandy, Franzi und Richard. Richard ist ein Brite in den besten Jahren (also um die 60), ist aber für sein Alter erfrischend jung geblieben sowohl im Geiste als auch bei seinem relativ souveränen Umgang mit sämtlichen modernen Technologien. Für Richard war es das letzte Wochenende in Mumbai, da er diesen Freitag zurück in die Heimat fliegt. Nach zwei Jahren hat er wohl auch ein wenig genug von Mumbai.

 

Jedenfalls haben wir den halben Markt leer gekauft, da wir bei Kevin, einem Südafrikaner, der in der Nähe wohnt, Pizza backen wollten. Dort angekommen haben wir eine alles zerschnippelt und dann unseren Pizzen belegt. Das erste Foto ist aus seinem Wohnzimmer Richtung Meer geschossen. Nach dem Essen, so gegen 10 Uhr bin ich weitergezogen, da ich meinen indischen Nachbarn versprochen hatte bei dem aktuellen Navrati-Festival vorbezuschauen. Diesmal wird eine sechsarmige Frau angebetet. Langsam krieg ich Angst vor dem weiblichen Geschlecht^^

 

Merkwürdiger Weise hab ich das Idol (wie bei Ganesha, eine große, aus Sand gepresste Figur) irgendwie nicht entdeckt. Wie dem auch sei. Es wurde ein lustiger Abend. Ich wurde ziemlich schnell wieder genötigt zu tanzen und nach einer gefüllten Ewigkeit hatte ich auch die Schritte drauf, auch wenn sie nicht die Grazie einiger Mädchen aufwiesen, so konnten sie mit denen der anwesenden Jungs ganz gut mithalten. Später am Abend hat mir Suraj beigebracht, wie man mit den Stöckern tanzt. Das sieht man einigermaßen auf dem ersten Festivalbild, auf dem Nupol mit ihrer Mutter auch mit den Stöckern tanzt. Und ja ich muss mal meine Linse putzen. Thomas ist ja Brillenträger, ich hoffe ich denke mal dran ihn zu fragen, ob ich ihm eins seiner Tücher klauen kann^^

Nupol wurde an diesem Abend übrigens zum am besten gekleideten Mädchen gewählt. Und die das Mädel in grünen Hosen, die auf dem Foto leider nicht so cool rüberkommen, wie sie in Wirklichkeit waren, hat ebenjenen Preis für die erwachene Damenwelt abgesahnt. Lustiger Weise kam um halb zwölf die Polizei um die Musik abzustellen, nach einiger Zeit verzogen sie sich mit Mihir zum nächsten ATM. Bei nächster Gelegenheit werde ich ihn mal fragen, was ihn das gekostet hat und euch mitteilen.

 

Nach dem ich um halb zwei ins Bett bin, bin ich um 3 wieder aufgestanden. Wir wollten am Sonntag raften gehen und hatten das nach einigen Komplikationen auch organisiert gekriegt. Allerdings mussten wir um 8 Uhr morgens an einem 100km entfernten Platz sein, was in Indien bedeutet, das wir um 4 Uhr losfahren mussten, um mit einem ausreichenden Puffer vor Ort anzukommen. Den brauchten wir auch, da wir vor Ort erstmal eine Stunde rumgeirrt sind, bevor wir die Stelle gefunden hatten, an der alles beginnen sollte. Wir mussten allerdings darauf warten, dass ein Damm seine Schleusen öffnete, damit der Bach in der Nähe sich in einen befahrbaren Fluss entwickelte.

 

Nach einer Stunde Wartens wurde uns dann mitgeteilt, dass irgendjemand beschlossen hat, dass der Damm heute nicht seine Schleusen öffnet. Gut das wir schon im Voraus bezahlt hatten. Naja, nachdem wir die halbe Ewigkeit dahingefahren, wollten wir nicht unverrichteter Dinge wieder zurückfahren. Also sind wir in der Nähe Kajak fahren gegangen. Dort konnte man sich auch an einem Drahtseil in die Tiefe, also das Wasser des Flusses schmeißen. Wäre die Bahn doppelt solang und dreimal so steil gewesen hätte es sogar ein kleines Nervenkitzeln erzeugen können. Aber gut dafür hat das Kajak fahren Spaß gemacht.

 

Wir durften nicht Fluss abwärts fahren, da die Verantwortlichen fürchteten uns dann nie wieder zu sehen. Also sind wir flussaufwärts gefahren. Dort waren aber kleinere Stromschnellen, für die man ein bisschen Kraft und deutlich mehr Technik brauchte um dort hinaufzukommen, aber nach einiger Zeit hatte ich dann alle bewältigt und freute mich mit der Milchsäure in den Armen die Stromschnellen flussabwärts zu fahren.

 

So gegen vier haben wir uns dann wieder auf den Heimweg gemacht. Hatten wir für den eigentlichen Weg auf dem Hinweg noch knapp unter drei Stunden gebraucht, so brauchten wir jetzt fünf Stunden. Mumbai demonstriert jeden Sonntag gnadenlos das Scheitern des Individualpersonenverkehr. Wobei, das kann täglich ab 18.30 Uhr auf  sämtlichen Straßen ebenfalls begutachtet werden. Und das Scheitern des öffentlichen Personennahverkehrs gleich mit, den die Züge sind komplett überfüllt, der Druck in den Abteilen soll immens sein. Irgendwann tue ich mir das noch mal an, nur um es mal ausprobiert zu haben.

 

Die Fotos sind inzwischen bei FB online, die Website stellt sich grad etwas an hier...Ich lad sie morgen hoch. Aber jetzt mach ich mich auf ins Bett.

 

Eine gute Nacht in die weite Welt.

 

Liebe Grüße

Ric

 

 

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Mo

04

Okt

2010

Erstes Wochenende in Mumbai

Da ich die vorherigen bisher immer woanders verbracht habe, war dieses Wochenende das erste in Mumbai. Es fing an und für sich ganz gut an, mit einem gemeinsamen Kochen bei Kevin, einem Südafrikaner. Ich kam nur leider zwei Stunden zu spät, war im Mumbaier Feierabendverkehr stecken geblieben.

 

Ich wollte nach der Arbeit nur noch kurz nach einem speziellen Laufschuh gucken, da ich mir ja hier vorgenommen hatte laufen zu gehen. Nur leider kostet dieser Schuh 5000 INR, das sind so 80-90€ und irgendwie bin ich der Meinung, eindeutig zu viel für die Gegend hier. Den muss es doch auch irgendwo günstiger geben. Also hab ich mir nen Kollegen geschnappt und wir sind zu den „Outletcentern“ gefahren. Aber dort gab es den Schuh natürlich nicht.

 

Dafür blieb ich dann im Feierabendverkehr hängen. Nach zwei Stunden rumdösen in meinem Taxi hab ich beschlossen auszusteigen und zu laufen, es hatte sich in der letzten halben Stunde eh kaum was bewegt. Der Grund dafür liegt darin, dass die Inder Meister im Kreuzungen-zustellen sind. Das führt dazu, dass die kreuzende Fahrtrichtung auch nicht mehr weiterkommt, obwohl ihre Fahrbahn eigentlich frei ist.

 

Aber in der Mumbaier Logik könnte ja einer auf die eigene Fahrtrichtung abbiegen und schon allein dieser Fakt rechtfertigt es die Kreuzung zuzustellen. Allgemein haben hier auch die Ampeln eine untergeordnete Bedeutung, sie gelten eh nur von 8 a.m. bis 10 p.m. als maßgeblich, danach kann jeder fahren wie er will. Das machen die meisten aber auch so. Gurte sucht man in den meisten Autos vergebens und auch andere Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben. Insgesamt ist der Verkehr hier nicht so zentral geplant, wie in Europa.

 

Das Ganze erinnert mich eher an einen großen Fischschwarm, wo die Intelligenz der Masse den Weg bestimmt, sehr interessant zu beobachten. Ich bin dann jedenfalls ich ne Weile durch die Blechlawinen gelaufen bis sich dann irgendwann der Verkehr auflößte und ich ne Rikscha nach Hause genommen hab.

 

Am Samstag hab ich mich mit Sandy getroffen, sie macht hier auch nen Praktikum. Da ihr Studium aber irgendwas Richtung Ingenieurswesen ist, arbeitet sie draußen in einer der Fabriken in Thane, das ist vor den Toren Mumbais. Zusammen haben wir Südmumbai erkundet. Sind in den, für einen Samstag, doch relativ vollen Zügen zum Church Gate gefahren und haben von dort aus die Gegend zu Fuß unsicher gemacht.

 

Das erste Foto stammt übrigens von einem der Triebwagen des Localzuges, in dem wir gefahren sind. Offensichtlich war es eine Kühlöffnung für den dahinterliegenden Elektromotor des Zuges. Mich wundert es, dass die elektrischen Bauteile trotz dieser sehr intensiven Verschmutzung noch funktionieren. Die nächsten Fotos stammen aus dem Gleisbett des Zuges, ihr dürft mal raten wie viele Mäuse ihr seht, als Beleg haben wir ein paar fotografiert. Der Gewinner kriegt nen Sari^^

 

Gleich neben dem Bahnhof befindet sich das Headquarter der Western Railway Limited, eines der gut erhaltenen Gebäude Mumbais. Nun, das denkt man zumindest auf den ersten Blick, das nächste Bild, zehn Meter weiter, zeigt, dass der schöne Schein trügt und das Gebäude in einem nicht allzu guten Zustand ist.

 

Auch der Fuhrpark hat schon bessere Tage gesehen, aus dem einen Auto wuchs sogar Grünzeugs. Vielleicht findet sich ja einer, der das Gewächs genauer identifizieren kann.

 

Anschließend sind wir über den Queens Court geschlendert, wo die unterschiedlichen Schichten Kricket gespielt haben. Man konnte sie sehr gut an der Ausstattung und Größe bzw. Vorhandenseins eines Sonnenzeltes unterscheiden.

 

Gleich daneben ist der High Court, eines der höchsten Gerichte Indiens. Wie vor allen mehr oder weniger wichtigen Plätz, Anwesen oder Gebäuden, standen auch vor diesem mit AK 56 bewaffnete Soldaten. Das erste Foto hab ich noch aus dem „Hinterhalt“ geschossen, aber der zweite Posten war so von unserer Hautfarbe angetan, dass er Fotos von uns gemacht hat. Im Gegenzug hat er für uns mit Helm und Weste (eine Baumwollweste, weiß nicht ob die wirklich vor Kugeln schützt) posiert.

 

Dann sind wir durch Mumbai flaniert, bis wir zu einer Kirche kamen. Merkwürdigerweise war sie relativ flach gebaut, so dass man nicht das typische Kirchengefühl aufkam. Am meisten hat mich aber irritiert, das es so warm in ihr war. In ihren europäischen Kollegen ist es ja locker 10 Grad kühler als draußen, aber hier hatte auch die Kirche 30°C. Im weiteren Verlauf haben wir dann noch nen Cafe besucht, wo es Schwarzwalderkirschtorte gab – lustig wie einen die Heimat immer wieder einholt.

 

Nach dem Besuch einer merkwürdigen indischen Kunstgalerie kamen wie endlich zum Gateway of India, dort erhöhte sich auch schlagartig die Weiße-Haut-Dichte. Zudem liefen überall Inder mit Nikon DSLR´s rum und wollten von den ganzen Touris Fotos in pseudolustigen Posen zu machen. Wir haben alle weggeschickt und sind dann weiter Richtung Süden gelaufen.

 

Bei einem weiteren Stop in einem Café bildete sich eine Traube von Kindern an dem Fenster an dem wir saßen. Sie hämmerten alle gegen die Scheibe um etwas Geld zu kriegen. Irgendwann verjagte einer der Angestellten die Kinder. Das erste Mal, dass Bettler für mich verjagt wurden - ein komisches Gefühl.

 

Unsere Tour haben wir in einem Fischerhafen beendet. Weiter südlich kam man nicht, das war alles militärisches Sperrgebiet. Nun muss die Nase ja in Mumbai schon allerhand aushalten, wobei ich glaube schon etwas abgestumpft zu sein. Aber dieser Fischerhafen stank einfach nur bestialisch. Ich hab ne zeitlang nur durch den Mund geatmet, aber auch das hat komisch geschmeckt.

 

Da lagen/flossen überall Fischreste rum und für die Fischer waren wir vermutlich die größte Attraktion des Tages vielleicht auch der Woche. Ich glaub nicht, dass sich besonders viele Weiß-Häute dahin verirren^^ Von da aus haben wir nen Cab zurückgenommen, das sah innen sehr lustig aus, das Schickste das ich bisher in Mumbai gesehen hab.

 

Am Abend war ich dann noch mit Eeva, einer Finnin, ein Trainee einer finnischen Unternehmensberatung, essen und dann haben wir mit Kevin und Allen, einem australischen Lehrer, der an der deutschen Schule unterrichtet, Billiard gespielt.

 

Gestern waren wir in der American School Bombay. Die hat einen riesigen Sportplatz und einen Swimmingpool, das beste jedoch ist, dass sie jeden Sonntag ihre Pforten für alle die wollen öffnet. So ist sie, zwangsläufig durch die Kinder, zum Treffpunkt vieler Expats geworden. Wir haben dort ne Weile Frisbee gespielt, allerdings mit Football-ähnlichen Regeln. Das war ziemlich lustig.

 

Nach dem wir da durchgeschwitzt rumgerannt sind, haben wir die Abkühlung im Pool genossen. Kühl ist jedoch relativ. Der Pool hatte 30°C, war aber mit 25 Metern ordentlich lang, so dass ich endlich wieder ein paar Bahnen schwimmen konnte.

 

Den Tag gekrönt hat ein total leckeres Lunch/Dinner um vier Uhr im Lemongrass. Das Essen war für die Verhältnisse hier relativ teuer: Meine Mahlzeit hat 5€ gekostet. Anschließend hab ich mir noch ein Stück Schokotorte gegönnt. Die Inder haben die merkwürdige Eigenart alle Schokotorten vor dem Servieren in die Mikrowelle zu erwärmen, so dass sie immer halb dahinfließen, wenn man sie ist. Nun ja, auch daran gewöhnt man sich.

 

So viel zum Wochenende, nächste WE geht’s Wildwasserrafting :D

Hehe, das wird ein Spaß.

Liebe Grüße in die weite, weite Welt.

Ric

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Di

28

Sep

2010

Arranged Marriage

Guten Abend alle miteinander,

 

mich hat die letzten Tage permanent ein Thema beschäftigt, von dem ich nie gedacht hätte das es mich irgendwann tangiert: Arrangierte Ehen bzw. Zwangsehen. In Deutschland finden sie wenn dann vermutlich nur in moslemischen Kreisen statt. Hier sind sie gang und gebe.

 

Folgende Situation: Am Montag Nachmittag werd ich zusammen mit einer handvoll Kollegen in die Cafeteria gerufen. Dort steht Vidhi mit einer Torte. Vidhi ist 24 Jahre alt, zierlich, wie fast alle Inder dunklere Haut und schwarzes Haar und pflegt ansonsten einen relativ westlichen Lebensstil mit westlicher Kleidung (die meisten tragen hier einen Salwar mit Korta) und Iphone (wär bei uns nix besonderes, hier sind das mal locker 1-2 Monatseinkommen, selbst wenn man hier bei Siemens arbeitet).

 

Sie schneidet die Torte mit zitternden Händen und überreicht jedem eins. Die Torte hat nen klebrigen Schokoladenüberzug, so dass alle sofort klebrige Hände haben.

Dann verkündet sie, dass sie jetzt verlobt sei. Ihre Eltern haben jemanden für sie gefunden. Alle gratulieren ihr und verspeisen ihre Torte. Nebenbei erkundige ich mich ob das eine Love Marriage oder Arranged Marriage sei. Arranged kommt wie selbstverständlich zurück.

 

Ich hatte fast so was erwartet, da ich schon vorher auf das Thema gestoßen war: Bei einem Besuch bei einer Kollegin, um die Tante von Ganesha anzubeten, kamen wir kurz auf das Thema zu sprechen. Die einzige Verheiratete war Usha. Seit 4 Jahren, selbstverständlich arranged. Ich fragte neugierig, ob sie damit glücklich. Darauf antwortete sie nach längerer Zeit etwas auf Hindi oder Maharati. Später hab ich Neelum gefragt was sie gemeint hat. Sie hatte sich in all der Zeit diese Frage noch nie gestellt.

 

Zurück zu Vidhi, man sieht sie übrigens, mehr schlecht als recht, auf Bild #13 bei den Ausflugsbildern. Da stehen zwei Mädels sich gegenüber mit der Stahlstange zwischen sich, die sie gleich verbiegen werden. Sie ist die rechte.

 

Am selben Abend waren wir zusammen essen gehen, ursprünglich wollte sie mich bloß nur auf dem Weg zu ihr bei mir rauslassen, aber wir haben auf der Fahrt intensiv diskutiert, dass sie ihren Fahrer angewiesen hat, zu einem Restaurant in meiner Nähe zu fahren. Fahrer sind hier eigentlich nichts besonderes, weil sie fast nix kosten, dennoch ist es für eine unerfahrene Einsteigerin ungewöhnlich. Es stellte sich heraus, das ihr Vater den Wagen zahlt. Damit kann die Familie locker der in Mumbai stark wachsenden, aber relativ aber immer noch schwachen oberen Mittelschicht zugeordnet werden.

 

Während der Fahrt, eher oder eher dem Stehen, (wir brauchten für 10km rund 1,5h) hat sie mir versucht die indische Perspektive nahe zu bringen, und ich ihr im Gegenzug meine.

 

Sie hatte ihren Verlobten zwei Mal gesehen und konnte auch den drängelnden Kollegen kein Foto vorweisen. An dem Tag machte sie einen ziemlich überforderten Eindruck und hat mehrmals unaufgefordert bekundet nicht schnell heiraten zu wollen.

Den Grund der Verlobung gab sie an, mit das es ja jetzt langsam Zeit werden würde und das ihr Vater ein großer Stein vom Herzen fallen würde, wenn die größte Tochter unter der Haube sei. Dann habe auch die kleine gute Chancen bald verheiratet zu werden. Dann habe ihr Vater keine Sorgen mehr. Indische Hochzeiten sind für die Familie der Braut extrem kostspielige Angelegenheit, es werden nicht selten fünf bis sechsstellige Eurobeträge ausgegeben. Bei einem Land mit einem GDP per capita von $3100 (Deutschland $34100, beide 2009, CIA Factbook) bemerkenswert. Oft verschulden sich die Familien über beide Ohren um das zu stemmen.

 

Als weiteren Grund führt Sie den sozialen Druck auf. Würde sie nicht bald heiraten, würde ihre Familie von allen gemieden werden, ihre kleine Schwester hätte nur sehr schlechte Chancen einen Ehemann zu finden, da der Familienname jetzt beschmutzt sei.

 

Ich meinte ob sie denn nicht selbst jemanden gefunden habe, sie sei ja schließlich jung und attraktiv, darauf hin verneinte sie das und brachte als Grund vor allem die unterschiedlichen Klassen mit ins Spiel. Schließlich muss der Ehegatte der eigenen Klasse/Kaste/Religion/etc. entsprechen, oder sich zumindest in ähnlichen Milieus bewegen. Liebe würde sich ja mit der Zeit entwickeln. Daraufhin meinte ich zu ihr das ich nicht glaube, dass es Liebe ist, was sich da entwickelt, sondern lediglich eine Art von Gewöhnung aneinander, an die Marotten und Eigenarten des jeweils anderen, aber Liebe sei das nicht. Im Westen ist Liebe (neben steuerlichen Vorteilen) ja der eigentliche Grund um zu heiraten.

 

Ich hatte vorher mit der einer liberalen Einstellung geworben. Freiheit für alle, solange es die Freiheiten der anderen nicht eingrenzt, siehe Art. 2 GG. Ich war total verwundert, dass es bei ihr gar nicht wirkte und sie nicht den Drang verspürte, selbstständig in jeder Hinsicht zu sein. In Zukunft würde sie unter ihrem Mann in seiner Firma arbeiten.

 

Ich hab es irgendwann aufgegeben und einfach das indische Essen genossen, das mal wieder hauptsächlich aus Gewürzen bestand und zu einem geringen Teil aus Geschmacksträgern.

 

Ich hab den Eindruck, dass sie ihren Vater in diesem Sinne als Datingbörse "benutzt" hat, um einen standesgemäßen Ehemann zu finden, für den es ja jetzt aufgrund des gesellschaftlichen Drucks Zeit war. Sie hatte in diesem Sinne auch nix gegen diese Form, zumal sie ein gewisses Mitspracherecht habe. Bei Nichtgefallen könnte die Verlobung ja auch wieder gelöst werden. Das sie bei dem sozialen Druck, der überhaupt erst zur Verlobung geführt hat, das tatsächlich tut, zweifel ich jedoch stark an.

 

Als ich ein bisschen im Büro rumgefragt habe stellte sich heraus, dass rund 90% in Arranged Marriages leben und ich zumindest nicht feststellen konnte, das sie damit unzufrieden sind. Es gibt jedoch ein starken Trend in den Städten, hin zu Love Marriage, wenn gleich der relative Anteil immer noch verschwindend gering sein dürfte.

 

Zusammenfassend lässt sich irgendwie sagen, dass Vidhi's Heirat scheinbar nicht gegen ihren Willen, aber aufgrund des sozialen Drucks stattfinden wird. Andere Fälle gibt es auch. Sandy, ein deutsches Mädel, dass sich zur Zeit auch in Mumbai aufhält, hat mir von weinenden Mädchen im Frauenhostel erzählt, die nach eigener Auskunft ein halbes Jahr geweint haben, weil sie jetzt zurück aufs Land müssen, weil ihre Eltern einen Ehemann für sie gefunden haben.

 

Allgemein ist das öffentliche Leben stark nach den Geschlechtern getrennt, Frauen reisen in separaten Waggons, schwimmen zu anderen Zeiten und Bikinis wird man hier vergebens suchen. Es sei denn es ist ein Touri...

 

Aber irgendwie bin ich mit dem Ergebnis unzufrieden, ich weiß nicht ob ich das Thema einfach ruhen lassen soll, weil sich ja sowieso alle damit arrangiert haben und das hier total normal ist, oder ob ich weiter versuchen soll meine Werte zu vertreten. Ich argumentiere gegen die sozialen Normen in diesem Land und zwar vorwiegend mit Emotionen, jedoch scheint es deutlich wichtiger sozial abgesichert zu sein. 

Ein sehr anachronistischer Zug eines in Ansätzen modernen Landes.

Vielleicht habt ihr ja Meinungen, Ideen, Statements oder einen guten Rat den ihr  geben könnt. Es würde mich freuen.

 

Euch noch einen schönen Abend, ich werd jetzt versuchen Kricket zu spielen.

Das lasse ich mir von den indischen Freunden, mit denen ich Ganpati gefeiert habe, beibringen.

 

Gute Nacht.

Ric

 

 

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Mo

27

Sep

2010

Ausflüge

Hi,

letzten Freitag um 7.45 wurde ich von meiner deutschen Chefin an meinem Apartment abgeholt. Wir waren verabredet gewesen, weil sich die gesamte Mannschaft (ca. 50 Pers) im nördlichen Mumbai zu einem Ausflug verabredet hat. Wir hatten das dortige Ramada angemietet um uns zwei Tage etwas von einem leicht spirituell angehauchten Typen etwas übers Leben/Arbeiten erzählen zu lassen. Die Inhalte lass ich mal außen vor. Aber sehr lustig war unter anderem bei den Icebreakern die Frage, wer den schon verheiratet sei, oder aber in naher Zukunft es vorhat. Die einzigen beiden, die sich nicht meldeten waren die deutsche Chefin und ich. Der gesamte Raum hat schallend gelacht. Sehr viel interessanter waren allerdings die Aktionen die wir so betrieben haben.

 

Am ersten Tag sind über nen Haufen zerbrochener Glasscherben gelaufen und haben am Abend die Gegend unsicher gemacht. Diese bestand, wie man auf einigen Bildern (Wenn der Stick es zulässt, dass ich sie hochladen kann) sehen kann hauptsächlich aus einem Slumgebiet. Schließlich haben wir es zum See Powai geschafft, indem eigentlich Krokodile schwimmen, allerdings waren die Inder so sehr damit beschäftigt Elefanten (Ganesha) da rein zu schmeißen, das sie sich sicherlich verzogen hatten. Da sind auch einige der weiteren Ganpatifotos entstanden.

 

Am zweiten Tag haben wir 2m lange Stahlstäbe gekriegt, die wir zerdrücken mussten, indem wir die Enden unterhalb des Halses in die Knochenausbuchtung einlegten und dann aufeinander zu liefen. Man verspürrt nur kurz einen Druck und dann geht man schon auf den anderen zu und der Stab ist V-förmig verbogen. Als Highlight durften wir am Nachmittag über brennende Kohle laufen, um uns zu beweisen, das wir zielfokusiert etwas unternehmen können. Ironischerweise hat sich nur die deutsche Chefin nicht übers Feuer getraut^^

 

Diesen Donnerstag bin ich dann um 5.00 Uhr aufgestanden, weil ich mir nen Trip nach Aurangabad organisiert hatte, denn dort steht eine moderne Version meines Berliner Werks. Dort mussten die Vermögenswerte überprüft werden, also quasi Inventur für das gesamte Anlagevermögen. Das sah dann so aus, dass wir zwei Tage lang durch die vier Fabriken vor Ort gelaufen sind und Klimaanlagen und den ganzen Rest gezählt haben. Das war nicht die tollste Aufgabe, aber so kenn ich jetzt die Werke wie meine Westentasche und muss sagen, dass sieht schon alles ganz ordentlich da drüben aus.

 

Am Samstag haben sich mein Kollege und ich den Fahrer genommen und noch nen bisschen Sightseeing gemacht und uns die Höhlen von Ellora angeschaut und nen Replikat vom Taj Mahal, sah sehr lustig aus. Dann haben wir nachmittags den Flieger genommen und sind zurück nach Mumbai. Am Abend hatte ich mich noch mit ein paar Deutschen verabredet und hab sie in ner Bar im Zentrum Mumbais getroffen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es vermissen würde deutsch zu sprechen, aber irgendwie hab ich es doch vermisst. Aus dem Abend resultierte ein Ausflug am nächsten Tag nach Alibag.

 

Nachdem wir Pancakes gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg, Richard (UK) und Kevin (RZA) hatten ihre Fahrer und Autos mitgebracht, zusammen mit zwei Amis. Ich und die vier Mädels passten noch bequem in die Minivans hinein. Obwohl Alibag nur 100km entfernt ist, brauchten wir rund dreieinhalb Stunden hin. Dort angekommen war noch Flut, der Strand also nicht begehbar, drum suchten wir auf der Suche nach essbaren nen Resort, das gleich um die Ecke liegen sollte. Indische Fahrer kennen sich übrigens immer aus und waren schon überall, das gilt auch für Mumbais Taxifahrer, was letztendlich darin resultierte, dass wir ne weitere Stunde rumcruisten, bis wir endlich ankamen.

 

Das sollte sich an diesem Tag noch mehrmals wiederholen. Nach dem wir gegessen hatten sind wir auf der Suche nach dem Strand ne weitere Stunde in der Gegend rum gefahren. Nach dem sich dann langsam die Ebbe einstellte, konnte man jetzt auch durch die freigewordenen Gebiete einen Weg von rund einem Kilometer zurücklegen und die lokale Festung besichtigen. Foreigners müssen bei sämtlichen Denkmälern Indiens übrigens das 10 bis 50-fache des indischen Preises zahlen...Hielt sich mit umgerechnet 1,50 aber immer noch in Grenzen.

 

Hinzu haben wir eine Pferdekutsche genommen, die wir zu zehnt besetzt haben, aber auf dem Rückweg hatten drei von uns so Mitleid mit den ungleich starken, abgemagerten Pferden, dass wir es vorgezogen haben, zu Fuß den Weg zurückzulegen. Im Anschluss daran sind wir noch vier Stunden zurück in die Heimat gefahren, wobei es an ein Wunder grenzt, dass wir noch fahren, beide Fahrer neigten doch in der Dunkelheit (so gegen 7Uhr) zu einer risikoreichen Fahrweise.

 

So, das soll es jetzt erst mal gewesen sein.

Morgen schreib ich mal nicht über das vergangene, sondern etwas aktuelles, hier alltägliches, das mich grad sehr beschäftigt...

 

Gute Nacht in die Welt

Ric

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So

26

Sep

2010

Flight & Arrival

Soo, versprochen ist versprochen, hier kommt jetzt endlich der Bericht zum Flug und erstem Eindruck von Mumbai:

Nach relativ bequemen 8 Stunden Flug nach Mumbai bin ich schließlich um ein Uhr morgens gelandet, neben mir saßen lustiger Weise zwei Kollegen von Windpower aus Brande, die hier neue Mitarbeiter suchen, da sie hier grad erst nen neues Werk eröffnet haben. Der erste Eindruck von Mumbai ist ein sehr spezieller: Die Einflugschneise der Flieger geht nämlich genau über ein Slumgebiet, so dass man zunächst nur Slums sieht, bis man dann kurz nach der Landung an den Privatfliegern vorbeifährt, die sich hier stapeln. Vielleicht sollten die mal ne Art Parkhaus dafür bauen, um sie platzsparend unterzubringen.

 

Ich glaube jedenfalls das die Begrüßung des Kapitäns sinnbildlich für meinen gesamten Indienaufenthalt stehen könnte. Nach dem wir so 5 Minuten auf dem Rollfeld rumstanden, begrüßte er uns in Mumbai und erklärte uns, dass unsere Parkposition leider noch nicht frei sei, da da noch ne andere Maschine steht. Kann ja auch keiner Wissen, dass da ne 747 um ein Uhr in der früh runterkommt...Überraschung...Ich glaub die Inder müssen noch mal ein wenig planen lernen.

 

Nach einer halben Stunde reines Wartens durften wir dann endlich an unsere Parkposition und den Flieger verlassen. Noch ne halbe Stunde aufs Gepäck warten und dann konnte ich endlich raus, nachdem mein Gepäck noch mal geröntgt wurde. Draußen wartete ein Fahrer auf mich, der mich zu meinem Apartment fuhr. Der Weg dahin wiederum ging durch das gerade überflogene Slumgebiet, das sich um 3 Uhr morgens doch sehr ruhig gab. Überlag lagen Leute auf Fusswegen und LKW-Pritschen die friedlich vor sich hin schlummerten.

 

An meinem Apartment angekommen dauerte es ne gefühlte Ewigkeit, bis die Security das Schloss aufgeschlossen hatte, dann konnte ich es endlich betreten.

Mein Zimmer verfügt ist ungefähr 15 qm groß, verfügt über  ne AC, nen Flatscreen, Schrank, Schreibtisch, eigenes Bad mit Dusche und natürlich ein Bett.

In das bin ich dann sogleich gegangen, denn in 4 Stunden musste ich wieder aufstehen. Ich hatte mich auch schlauerweise gezielt übermüdigt, um auf dem Flug schlafen zu können, was natürlich nicht geklappt hat.

 

Naja wie es weitergeht könnt ihr ja im ersten Tag weiterlesen.

 

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Do

23

Sep

2010

Indisches Essen

Ich hab Bauchschmerzen.

Ich liege in meinem Hotelbett in Aurangabad.

Beim Abendbuffett hab ich mir zuerst zuviel Hauptspeisen auf den Teller geladen, um anschließend beim Dessert zuzuschlagen. Die Krönung war irgendein Tarte au Mousse oder so...Ich liege ich vollkommen übermüdet (seit 19 Stunden wach und davor auch nur 4 Stunden Schlaf gehabt und habe Bauchschmerzen. Also schreib ich mir die Schmerzen von der Seele und hoffe, dass ich dann einschlafen kann. Darum an dieser Stelle eine Klageschrift an die indische Küche:


Es ist zwat total entspannend, dass ich hier so gut wie alles essen kann. Man muss heir eher nach Fleisch suchen - wenn man welches essen wollen würde...

Auch an die Schärfe gewöhne ich mich langsam und versuche alles nur mit der rechten Hand zu essen. Besteck wird zwar auch ab und zu benutzt, aber ich find die traditionale Art und Weise aber irgendwie cooler...Warum soll denn bitte die ganze Welt mit westlichem Besteck essen?

 

Inzwischen bin ich auch da gut ganz drin. Bloß bin ich der Meinung bereits nach einer Woche einen Zuwachs meines Bauchumfangs feststellen zu können - und das nach nur einer Woche.

Das liegt zu einem an dem leckeren Essen, zum anderen aber auch daran, dass wenn gleich das Essen vegetarisch ist, es nich zwangsläufig gesund ist. Denn die Inder fritten gerne alles. Und überhaupt muss alles irgendwie süß, sauer, salzig oder scharf sein. Hauptsache irgendeinen Geschmack.

Dadurch esse ich glaub ich deutlich mehr als normal.

Nen weiteres Problem ist, dass das Abendbrot sehr spät eingenommen wird. Normalerweise erst ab 9, oft gegen 10. Da es zu nem Großteil aus Reis und Naan oder Chapati (beides Brotsorten) besteht, sind das also ne ganze Menge Kohlenhydrate die man ja an dem Abend nicht mehr verbrennt und die sich deswegen gern in der Bauchregion ansiedeln.

 

Ein weiteres Problem hier ist Bewegungsmangel. Ich laufe zum Bus 3 Minuten, sitze den ganzen Tag in der Firma und laufe von der Bushaltestelle nach Hause 3 Minuten. macht 6 Minuten Bewegung am Tag. Wow impressed. Werd mir Laufschuhe kaufen und die Stadt unsicher machen. Nen Schwimmbad hab ich noch nicht gefunden.

Sooo, gehe jetzt Zähneputzen. Bauchschmerzen sind immer noch da, aber der Schlaf wird stärker.

 

Gute Nacht euch allen.

Ric

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Mi

22

Sep

2010

First Day in Office

So, jetzt also in der umgekehrten Reihenfolge zuerst mal den ersten Tag in der Firma, dann natürlich ganz konsequent die Ankunft: 

 

Der erste Tag fing schon mal ganz lustig an:

Da die Hausangestellten hier leider nur rudimentäres English sprechen hab ich nicht geschnallt wo der Bus zur Firma abfährt. Naja, aber es hat sich dann einer gefunden der auch nach Worli (so heißt das Stadtviertel) zur Arbeit muss, ein 23-jähriger Anwalt, seit 20 Tagen bei Siemens, er meinte nur das wir den Bus verpasst haben und das wir jetzt nen Cab nehmen...Jedenfalls hat er mich dann durch den städtischen Dschungel geführt und meinte irgendwann hier fährt der Bus ab...Aha...Naja wir sind dann gefühlt durch halb Mumbai gelaufen, das war eigentlich ganz lustig, bis wir dann irgendwann in ein Taxi gestiegen sind und es uns in die Arbeit gefahren hat.

 

Er hat sich irgendwie dauernd bekreuzigt, als ich ihn dann fragte welcher Religion er angehört meinte er,  das er an alle Götter glaubt,...ich dachte zunächst: So kann man sich das Leben auch einfach machen, aber inzwischen hab ich festgestellt, dass das viele so machen und das einfach irgendwie zu Mumbais toleranter Atmosphäre gehört.

 

In der Arbeit angekommen musste ich kurz warten bis ich dann in das lokale Accounting & Controlling Department gekommen bin,  würde da freundlich von Vimal begrüßt, dachte das wär ein Mann, Irrtum :D Die Frauen laufen hier alle übrigens nicht alle in Saris rum, im Alltag trägt man sogenannte auch sehr hübsch anzusehen, da sie zumeist in intensiven Farbkombonationen getragen werden und meist mit Pailetten und ähnlichen Dingen verziert sind.

 

Die Männer tragen einfach nur Bundfaltenhosen und Hemden. Ziemlich langweilig. Für Jackets ist es einfach viel zu warm.Obwohl es geht eigentlich, es ist zwar eine gewisse Luftfeuchtigkeit vorhanden, aber die ist nicht so hoch, als das sofort das Hemd an einem klebt, für alle Fälle trage ich aber nen Unterhemd drunter, ansonsten ist mir das Risiko doch irgendwie zu hoch.

 

Von meinem Chef wurde ich freundlich begrüßt, er hat mir auch meine Aufgabe vorgestellt, endlich mal mehr als Exceltapeten und SAP, warum muss man dafür eigentlich erst nach Indien kommen?

 

Die Rauschschokolade die ich mitgebracht habe kam berauschend an. Dabei hab ich erst eine Packung aufgemacht, die anderen beiden verteilte ich am nächsten Tag unter der restlichen ca. 50 Mann starken Abteilung.

 

Meinem Bauch geht es momentan noch ganz gut, hab bisher nur in der Firma und hier im Apartment gegessen, die großen Herausforderungen stehen also noch vor mir.

Bisher schmeckt mir das essen aber sehr gut, und das ich Vegetarier bin bringt mir hier relativ viele Sympathiepunkte :D

 

Soo ich geh jetzt mehrere Meter hohe Ganeshafiguren bestaunen, und schilder euch die Ankunft morgen. Da bin ich dann schon auf Dienstreise in Aurangabad. Da steht eine ein Jahr alte Version des Berliner Schaltwerkes. Das wollt ich mir natürlich mal genauer anschauen, wie die Inder unsere Schaltanlagen bauen^^

 

Machts gut.

Ric

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Mo

20

Sep

2010

Ganpati-Festival Part 2

Hallo alle miteinander...

Seit gestern hab ich endlich Internet :D

 

Und jetzt endlich mal Zeit die Geschichte zu Ende zu erzählen...Nebenbei lade ich bei FB übrigens Videos hoch, dann kriegt ihr nen besseren Eindruck von dem ganzen Spektakel.

 

Also inzwischen waren wir auf der Hauptstraße angekommen, wo wir jedoch nicht allein waren, dauernd zogen an uns andere feiernde Gruppen vorüber oder wir an ihnen. Alles in allem war es ein sehr ausgelassenes Straßenfest, in atemberaubender Atmosphäre. Da gab es unter anderem Ganeshas (=Ganpatis), die von Kühen (hier ja heilige Tiere) gezogen wurden, aber auch moderne Diskovarianten, hauptsächlich aus Bassboxen bestehend. Mir hat jedenfalls unsere traditionelle Variante mit den Trommlern deutlich besser gefallen, als dieser Technokram.

 

Irgendwann zog auch ein Gruppe mit lauter weißen Mützen vorbei. Die Mützen hatten eine gewisse mit Matrosenmützen. Da ich als Europaer mit heller Haut sowieso herausstach, kamen die irgendwann auf die Idee mir das Ding aufzusetzen. Sieht man glaub ich ganz gut auf den Bildern. Ich bin dann einfach den ganzen Abend damit rumgelaufen und hab mir erklären lassen, das mich das als echten Mumbaikar kennzeichnet...Anscheinend hat man die Dinger früher hier öfter getragen.

 

Nach 4 Stunden sind wir dann irgendwann am Strand angekommen, der war für ein Uhr morgens doch relativ überlaufen, denn alle wollten ihre Ganesha versenken. Dabei muss die gesamte Ganesha ins Wasser getragen werden. Dann wird sie herabgelassen und das Wasser muss sie vollständig bedecken. Anschließend wird Sand von der Stelle heraufgeholt und zurück an Land gebracht. Klingt einfach, aber wenn die Ganesha mal kurz 1,5m hoch ist muss man schon ne Weile gehen, bis das Wasser tief genug ist.

 

Meine Familie hat sich das einfach gemacht. Wie so üblich in Indien hat man es outgesourct. Jungs aus dem Slum haben die nicht eben leichte Ganesha hinausgetragen und das alles erledigt.

 

Wie das ganze bei 15m hohen Ganeshas funktioniert erzähle ich euch morgen, denn das passiert nämlich erst am letzten Tag des Festivals. Werd mal auch die Kamera mitnehmen um euch nen paar Bilder zu geben.

 

Damit war jedenfalls das ganze Spektakel vorbei. Wir sind zurück zur Straße gelaufen, haben dort unseren Bus bestiegen und waren nach 4 Minuten zuhause. Ich hatte mit ner Fahrt von wenigstens einer Viertelstunde gerechnet, aber das wir für diesen doch extrem kurzen Weg so viel Zeit gebraucht haben, ist mir bis heute ein Rätsel.

 

An dieser Stelle sei Schluss für heute, obwohl ich mal wieder viel zu viel zu erzählen hab, bin heut nämlich das erste Mal Bahn gefahren.

 

Aber das kommt morgen denn ich muss jetzt mal langsam ins Bett.

Gute Nacht in die Heimat oder wo auch immer ihr grad verstreut seid.

 

Liebe Grüße

Ric

 

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Do

16

Sep

2010

Ganpati-Festival

Guten Abend alle miteinander,

 

wie ihr alle seht, seht ihr nicht besonders viel, zumindest nicht besonders haeufige Blogeintraege...Nun das liegt leider daran, dass ich in meinem Zimmer zwar ne AC hab aber keine Wifi...Ich sitze jetzt in einem Internetcafe ne Ecke weiter und schreibe auf ner Tastatur und einem Rechner, die vermutlich aelter als mein kleines Schwesterlein sind...also immerhin so 14 Jahre...

 

Ich hab derweil brav weiter Blogs geschrieben, konnte sie aber halt leider nicht uploaden und wollte das eigentlich schon gestern abend machen, doch leider ist etwas dazwischen gekommen. Ich war grad auf dabei mir mal meine naehere Umgebung anzuschauen als von irgendwoher laute Trommelmusik kam, ich bin meinen Ohren gefolgt und bin auf einem kleinen Hinterhof gelandet, dort standen o um die 10 Jungs in orangenen T-Shirts rum und spielten auf Trommeln. Zwischen ihnen tanzten die Bewohner des Hauses in traditionellen Gewaendern (den Namen hab ich heut schon mal erfahren, aber er ist mir mal kurz entfallen).

Irgendwann hab ich dann ein paar rumstehende Bewohner gefragt was hier eigentlich passiert. Das ganze Spektakel wurde aufgefuehrt, weil Ganpati, die Elefantengoettin im Haus war.

Dann wurde mir gezeigt wie man sie anbetet (man muss vorher die Schuhe ausziehen) und dann kann man sich einen Wunsch wuenschen, aber nur wenn man das rechte Ohr zuhaelt und in das linke den Wunsch fluestert. Anschliessend stand ich da (uebrigens noch im Businessoutfit, weil ich grad von der Firma gekommen bin) rum und hab den beim Tanzen zugeschaut. Irgendwann haben sie mich zum mittanzen bewegt, welches ziemlich lustig war, nebenbei haben die Kinder mit roter Farbe um sich geschmiessen, so dass jetzt so ziemliches alles was mal schwarz, rot, blau oder weiss war, jetzt mindestens einen Rotstich hat.

 

Irgendwann haben sie mir erzaehlt das sie Ganpati heute noch ins Meer bringen, da hab ich mich dann entschieden, dem ganzen beizuwohnen, aber vorher meinen Sachen zu wechseln, weil ich auch noch die Tasche mit Pass und weiterem Kremel dabei hatte. Ich bin also nach Hause gerannt, umgezogen, wieder zurueckgerannt.

Da waren sie grad dabei Ganpati, die grosse immerhin so 80cm hoch und dementsprechend schwer, auf einen LKW zu hieven, der mit lauter Lichtern und anderen Sachen dekoriert war.

Fuer die Fussschwachen (Aeltere, Kinder und Frauen) hatten sie extra einen Bus gemietet, damit die auch mitkommen konnten.

Irgendwann setzte sich dann der Tross mit dem Truck, den Trommlern und dem Bus in Bewegung. Aber alle gefuehlten 20m hielt der Truck an, damit man hinter dem Truck zu den Trommeln tanzen konnte. Das war schon mal ganz lustig, richtig cool wurde es aber, als wir auf eine groessere Strasse gekommen sind, denn wir waren nicht ganz allein...Halb Mumbai war auf den Beinen und dabei ihre Ganpati in Richtung Strand zu bringen, in ungefaehr der selben Geschwindigkeit wie wir. Saemtliche Strassen waren ueberfuellt und es kam permanent zu Staus, ohnehin nichts ungewoehnliches fuer Mumbai.

Zwischendurch wurden permanent heilige Speisen gereicht. Ich hatte mir zwar eigentlich vorgenommen, nix zu essen, dessen Zubereitung ich nicht selbst gesehen habe, ausgenommen von der Kantine und dem Apartment, aber bei der erstbesten Gelegenheit hab ich damit gebrochen. Ich dachte mir, das es die Leute wohl uebel nehmen, wenn man die Speisen nicht annehmen wuerden. Die Goetter hier moegen es uebrigens sehr suess, alles was heilig ist, was ich bisher gegessen hab, immerhin so ca. 25 unterschiedliche Speisen, waren suess.

 

Sooo...ich muss jetzt schluss machen, das Internetcafe schliesst.

Verzeiht mir meine Fehler, ich hab grad keine Zeit noch mal rueberzuschauen, alle anderen PC's sind schon heruntergefahren. Ich werd versuchen am Wochenende, wenn ich auf ner Teambuidingmassnahme mit der ganze Truppe bin, mehr zu schreiben, die alten Berichte nachzureichen und die zahlreichen Fotos und Videos hochzuladen. Und schliesslich erzaehl ich die Geschichte von gestern abend zu ende.

 

Liebe Gruesse

Ric

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So

12

Sep

2010

Visa-Wahnsinn & Taschen packen

Hallo liebe Leute,

 

sooo...morgen soll es also losgehen...Irgendwie hab ich noch nicht ganz realisiert wo ich hinfahre, bzw. das ich hinfahre...Ich bin total ruhig und überhaupt nicht aufgeregt, mein Vater wundert sich warum ich so still bin, aber irgendwie hat mich wohl ne Schockstarre erfasst, anders kann ich das nicht erklären...

Meine Sachen sind inzwischen halbwegs gepackt, irgendwo in meinem Zimmer fliegen noch zwei Pullover,...die haben sich irgendwie versteckt, verdammt...

Insgesamt habe ich doch relativ wenig Sachen dabei, nen Großteil werd ich vor Ort kaufen, da ich nicht die passende Garderobe für 30°C und hohe Luftfeuchtigkeit  habe...also werd ich am ersten Wochenende die indische Kleider kaufen und so die tropische Zeit hoffentlich gut überstehen.

Gestern war ich noch kurz bei meiner Friseuse und hab mir nen 3-Monatsschnitt geben lassen, damit ich da nicht so schnell zum Friseur muss...

Ansonsten hab ich noch die letzten in Berlin verbliebenen Freunde getroffen und dabei einen Lonely Planet und viele gute Tipps abgestaubt (an dieser Stelle dank an Alex) und das gute Ding gleich mal in Klebefolie eingeschlagen, in der Hoffnung, dass es dann besser den Trip überlebt...

 

Hoffe, das der Trip erst mal gut beginnt, denn ich hab wohl eigentlich das falsche Visum, bräuchte nen Employment-Visum, das wurde auch vom IDC beantragt, aber der Botschafter hat mir nur ein Business-Visum erteilt...Mal sehen ob ich damit reinkomme, aber ich denk das wird schon schief gehen...

 

Demnächst gibt es dann mehr oder weniger regelmäßig an dieser Stelle Updates über mein Leben in dem 20 Millionen Dschungel, der sich auf ner Fläche, die halb so groß ist wie Berlin, erstreckt...

 

Liebe Grüße zum letzten Mal aus meinem Zimmer.

Gute Nacht









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